Montag, 6. April 2020

Wende in Deutschland Forscher fordern längere Arbeitszeit

Jobs im Einzelhandel: Verkaufszeiten in Deutschland mittlerweile ausgeweitet

Es ist ein Zeichen für die neue Zeit auf dem Arbeitsmarkt: Prägte lange der Wunsch nach Arbeitszeitverkürzung die Tarifgespräche hierzulande, kommt jetzt die gegenteilige Forderung auf Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu. Forscher fordern die Deutschen auf, mehr zu arbeiten.

Hamburg - Die deutschen Arbeitnehmer müssen sich laut Experten auf einen noch späteren Renteneintritt einstellen. Die Rente mit 67 sei nicht das Ende der Entwicklung, sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, der "Bild"-Zeitung. "Für jedes Jahr hinzugewonnene Lebenserwartung müssen wir etwa ein halbes Jahr länger arbeiten und in die Rentenkasse einzahlen", fügte er hinzu.

Auch der Freiburger Rentenexperte Bernd Raffelhüschen sprach sich für eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters nach dem Jahr 2029 aus. "Sonst können wir die Rentenkasse nicht stabil halten und den Wohlstand im Alter sichern", sagte Raffelhüschen dem Blatt. Nach seinen Schätzungen muss ein heute 40-Jähriger voraussichtlich bis zum Alter von 68 Jahren arbeiten. Ein 30-Jähriger könne erst mit 69 Jahren in Rente gehen.

Der Arbeitsmarktexperte des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn, Hilmar Schneider, schlug darüber hinaus eine Anhebung der Wochenarbeitszeit vor. Damit könne der sich abzeichnende Mangel an Beschäftigten in Deutschland ausgeglichen werden. "Im Schnitt müsste jeder Arbeitnehmer fünf Stunden pro Woche mehr arbeiten", sagte Schneider. Möglich sei auch, dass Teilzeitbeschäftigte in Vollzeitjobs wechselten.

kst/afp

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