Freitag, 23. August 2019

Wissenschaftler Rente mit 67 wird nicht das Ende sein

Demo gegen Rente mit 67: Viele Politiker fordern eine Beschäftigungsquote der rentennahen Jahrgänge von mindestens 50 Prozent. Andernfalls drohe den Menschen Altersarmut. Wissenschaftler fordern, das Renteneintrittsalter über 67 hinaus anzuheben.

Wochenarbeitszeit erhöhen, später in Rente - die Protagonisten für längeres Arbeiten melden sich wieder zu Wort. Das gesetzliche Renteneintrittsalter müsse über 67 hinaus weiter steigen. Dabei schafft die große Mehrheit der Deutschen das schon heute nicht.

Berlin - Die deutschen Arbeitnehmer sollten sich nach Ansicht von einzelnen Experten auf einen noch späteren Renteneintritt einstellen. Die Rente mit 67 sei nicht das Ende der Entwicklung, sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, der "Bild".

"Für jedes Jahr hinzugewonnene Lebenserwartung müssen wir etwa ein halbes Jahr länger arbeiten und in die Rentenkasse einzahlen", fügte er hinzu. Auch der Rentenexperte und der Versicherungswirtschaft nahestehende Wissenschaftler Bernd Raffelhüschen sprach sich für eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters nach dem Jahr 2029 aus. "Sonst können wir die Rentenkasse nicht stabil halten und den Wohlstand im Alter sichern", sagte Raffelhüschen dem Blatt.

Nach seinen Schätzungen müsse ein heute 40-Jähriger voraussichtlich bis zum Alter von 68 Jahren arbeiten. Ein 30-Jähriger könne erst mit 69 Jahren in Rente gehen.

Tatsächlich erreicht heute nur eine Minderheit der Beschäftigten das gesetzliche Renteneintrittsalter. Wer früher in Rente geht oder gehen muss, erleidet bei der gesetzlichen Rente empfindliche finanzielle Einbußen. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) gingen Anfang vergangenen Jahres 27,5 Prozent der 60- bis 64-järhigen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach - zuletzt aber mit stark steigender Tendenz. Über die Beschäftigungsquote älterer Arbeitnehmer gibt es regelmäßig Kontroversen.

Der Arbeitsmarktexperte des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn, Hilmar Schneider, schlug darüber hinaus eine Anhebung der Wochenarbeitszeit vor. Damit könne der sich abzeichnende Mangel an Beschäftigten in Deutschland ausgeglichen werden. "Im Schnitt müsste jeder Arbeitnehmer fünf Stunden pro Woche mehr arbeiten", sagte Schneider. Möglich sei auch, dass Teilzeitbeschäftigte in Vollzeitjobs wechselten.

rei/afp

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