Die Wirtschaftsglosse Habemus Peer, Beppe wär' besser

Clowns regieren die Welt. Oft ist die ganze Politik ein einziger Witz, ob in Rom oder Berlin. Selbst die humorlose EU schwört jetzt dem Ernst ab. Am Ende des Tages wird uns das Lachen aber vergehen.
Das sind noch Wahlversprechen: Jedem Italiener irgendein irres iPad!

Das sind noch Wahlversprechen: Jedem Italiener irgendein irres iPad!

Foto: Ettore Ferrari/ dpa

Egal, wie das Konklave ausgeht - in Rom wählen sie nur Clowns. Ist doch klar, wenn nur Clowns zur Wahl stehen, übrigens nicht nur dort. Berufskomiker Beppe Grillo mag noch der ernsthafteste Politiker sein, sagt er doch klar, was er alles nicht will. So jemanden würden sich wohl viele auch hier auf dem Wahlzettel wünschen (früher im Osten konnte, wer sich traute, wenigstens noch "gegen alle" stimmen und so den wahren Wählerwillen ausdrücken).

Ob ausgerechnet Problem-Peer Steinbrück der richtige ist, um sich "bis zu einem gewissen Grad" zu entsetzen? Diesem Harlekin nehme ich jedenfalls nichts ab, was er sagt - schon gar nicht, wenn er dazu sein Bulldozer-Gesicht aufsetzt oder das andere, wenn er keckert und wiehert.

Was, Herr Steinbrück, muss ein Politiker denn können? Antwort auf einer SPIEGEL-Veranstaltung an diesem Montag: "Er muss hochintelligent, strategisch orientiert, unterhaltsam und volkstümlich sein. Meistens patzt man bei einem oder zwei davon." Oder drei. Also, unterhaltsam ist er ja. Und das ist seine Wahlstrategie? Im Gegensatz zu den Clowns in Italien?

Natürlich regen sich jetzt wieder alle auf. "Ein Zirkusclown ist kein Depp, den man auf eine Stufe mit Berlusconi stellt", beschwert sich Roncalli-Direktor Bernhard Paul. "Clown ist ein ehrenwerter, ganz schwieriger, sensibler, künstlerischer Beruf." Ein Clown bringe die Menschen - "in der Tradition der Commedia dell'Arte" - zum Lachen, ohne sie zu Opfern zu machen. Ganz anders als die Politik von Berlusconi und Steinbrück, die zwar lustig ist, aber nur, weil die meisten imstande sind, Schadenfreude gegenüber sich selbst zu empfinden.

Aber mal im Ernst: Ernsthaftes Ringen um die besten Lösungen sollten wir von der Politik wohl kaum erwarten. Selbst die dröge EU wird von Clowns regiert. Der neueste Vorschlag: Brüssel beabsichtigt, die Boni der Banker begrenzen. Sehr schön, aber haben Sie die Alliteration bemerkt? Das ist doch nur ein Wortspiel, ein Jux, die machen sich lustig über uns!

Verstehen kann ich es ja. Die Kommissare haben einen undankbaren Job. Sie wurden überhaupt nur als Sündenböcke in einem sadistischen Spiel erschaffen. Immer wieder entdecken die Regierungen der Mitgliedstaaten echte Probleme - Finanzkrise, Klimawandel, Verschwendung von Haushaltsmitteln - und bestellen in Brüssel eine Lösung. Wenn die EU dann sinnvolle Vorschläge macht - riskante Bankgeschäfte von der Staatsgarantie trennen, CO2-Gutschriften verknappen, Agrarhilfen weniger ziellos über die Landschaft düngen, lauter so Zeug - dann heißt es aus Berlin, Paris und London: Geht nicht, Veto! Und Schuld hat die EU.

Dann doch lieber Symbolpolitik, die nichts bringt außer den Bürgern ein Lächeln zu entlocken. Die Botschaft aus Brüssel heißt: Liebe Angela, lieber François, wir haben keinen Bock mehr! Ab jetzt kommt nur noch populärer Nonsens von uns.

Im Netz wird bereits über die zu erwartenden weiteren europäischen Initiativen diskutiert. Hier ein Acht-Punkte-Plan:

  • die Bezüge Brüsseler Beamter beschneiden
  • die Konten der Kommissare kappen
  • die Saläre der Salondamen senken
  • die Honorare der Hilfsexperten halbieren
  • die Verdienste der Versicherungsvertreter vierteln
  • die Löhne der Lobbyisten limitieren
  • die Renten der Restzeitpolitiker reduzieren
  • die Schecks der Schreiberlinge streichen

Na gut, irgendwann hört der Spaß aber auch auf.