Dienstag, 20. August 2019

Erneuerbare Energien Solarrekord kostet Stromkunden acht Milliarden Euro

Ungebrochener Boom: Hausbesitzer setzen weiter auf Fotovoltaik, die Stromkunden bekommen die Rechnung

Im vergangenen Jahr sind so viele Solaranlagen wie nie in Deutschland gebaut worden - das belastet die Stromkunden laut dem Wirtschaftsforschungsinstitut RWI über die nächsten 20 Jahre mit acht Milliarden Euro. Damit kommen sie vergleichsweise günstig davon.

Hamburg - Der Rekordzubau von Fotovoltaikanlagen 2012 kostet die Stromverbraucher voraussichtlich etwa acht Milliarden Euro - verteilt über die nächsten 20 Jahre. Zu diesem Ergebnis kommt der Energieexperte am Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung, Manuel Frondel. "Die Zahlen deuten darauf hin, dass die EEG-Umlage weiter steigen wird", sagte Frondel gegenüber dem Wirtschaftsportal manager magazin online.

Im Jahr 2012 sind in Deutschland laut Bundesumweltministerium Solaranlagen mit einer Leistung von 7630 Megawatt errichtet worden - ein neuer Spitzenwert. In der sommerlichen Mittagssonne liefern sie so viel Strom wie etwa sechs Atomkraftwerke.

Im Vergleich zu früheren Jahren kommen die Stromverbraucher allerdings deutlich günstiger davon: Für die im Jahr 2010 installierten Anlagen (7400 Megawatt) werden laut RWI insgesamt 25 Milliarden Euro fällig. Besitzer dieser Altanlagen erhalten bis zu 39 Cent je Kilowattstunde Strom. Im vergangenen Jahr sind die Sätze auf 12 bis 17 Cent gesunken, nachdem sich der Bau Solaranlagen sich drastisch verbilligt hat.

Solarschulden in Höhe von 108 Milliarden Euro

Über die Jahrzehnte summieren sich die Zahlungsverpflichtungen für Solarstrom laut RWI auf bisher 108 Milliarden Euro, die acht Milliarden für 2012 sind darin bereits enthalten. Die jährliche Belastung beläuft sich 2013 nach einer Schätzung der Netzbetreiber auf etwa zehn Milliarden Euro, davon entfallen gemäß den RWI-Zahlen etwa 400 Millionen Euro auf die im vergangenen Jahr gebauten Anlagen. Für alle erneuerbaren Energien zusammen waren 2012 knapp 17 Milliarden Euro fällig.

Allerdings sind durch das große Ökostromangebot auch die Börsenpreise für Strom stark gesunken. Verbraucherschützer bemängeln, dass die Erzeuger diesen Vorteil in Höhe von drei Milliarden Euro pro Jahr nicht an die Privathaushalte weitergeben.

Künftig werde die Fotovoltaik trotz anhaltenden Booms nicht mehr der wichtigste Kostentreiber für die EEG-Umlage sein, sagte Frondel: "Viel hängt davon ab, wie stark der Ausbau der Offshore-Windkraft vorankommt." Für Windparks im Meer erhalten Betreiber inzwischen höhere Vergütungssätze als für Solaranlagen.

Ende der Förderung in Sicht

Die Bundesregierung erwartet zudem, dass sich der Solarboom in den kommenden Jahren etwas abschwächt. In den vergangenen Monaten habe die gesenkte Einspeisevergütung bereits Wirkung gezeigt, sagte Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU).

Seit im Herbst für alle Anlagen die neuen Vergütungssätze gelten, geht der Zubau tatsächlich zurück, im Dezember waren es nur noch 360 Megawatt. Zu 80 Prozent beruhe der Boom von 2012 noch auf den alten, höheren Sätzen, so das Ministerium. Ab einer Gesamtleistung von 52.000 Megawatt soll die Solarförderung zudem ganz wegfallen. Bisher sind etwa 33.000 Megawatt erreicht.

Um Kosten zu senken, plädiert das RWI dennoch für ein Quotenmodell anstelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Dabei wird die günstigste Technologie gefördert, was der Windkraft an Land zu Gute käme. Zudem soll der Ausbau vor allem in den nächsten Jahren deutlich langsamer verlaufen als es mit dem EEG der Fall wäre. Bis 2020 fielen die zusätzlich eingegangenen Zahlungsverpflichtungen somit um 52 Milliarden Euro niedriger aus als im gegenwärtigen EEG-System.

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