Montag, 22. Juli 2019

EEG-Umlage Das Schlimmste scheint überstanden

Stromschwemme: Die erneuerbaren Energien drücken den Börsenpreis für Elektrizität. Das Problem - je niedriger der Börsenpreis, desto höher die Umlagekosten

2. Teil: Strompreis von minus 22 Cent pro Kilowattstunde zu Weihnachten

"Daher muss dringend bei der Offshore-Windenergie das Tempo rausgenommen werden, sonst droht hier genau das gleiche", fordert Verbraucherschützer Holger Krawinkel mit Blick auf den Solarboom der vergangenen Jahre.

Es scheint allerdings, als laufe die Sache nach seinem Geschmack. Der r2b-Projektion liegt ein sehr optimistisches Ausbauszenario für Offshore-Wind von fast 8 Gigawatt bis 2017 zugrunde. "Wenn es so langsam weitergeht wie bisher, sind die Zahlen möglicherweise zu hoch gegriffen", sagt Energieexperte Manuel Frondel vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI).

Auch Topmanager aus der Energiewirtschaft hatten die Erwartungen zuletzt heruntergeschraubt. "Wir sind noch weit von den ursprünglich anvisierten Ausbauzielen entfernt", sagte Eons Chef für Erneuerbare Energien, Mike Winkel. Hauptgrund ist, dass die Netzbetreiber nicht in der Lage sind, Meer-Windparks rechtzeitig anzuschließen. Tatsächlich rechnen Branchenexperten nur mit wenigen Gigawatt installierter Offshore-Windleistung bis 2017.

Kohle- und Atomkraftwerke bleiben trotz Stromschwemme am Netz

Ist der Kostenanstieg damit dauerhaft gebremst? EEG-Verfechter verweisen bereits auf Altanlagen, die in den kommenden Jahren aus der Förderung herausfallen werden, so dass die Kosten sogar sinken könnten.

Für Jubel ist es aber noch zu früh. Darauf liefern gerade die weihnachtlichen Strom-Eskapaden einen Hinweis. Deutlich wurde erneut: Gerade, wenn viel Strom aus erneuerbaren Energien im Netz ist, sinkt der Preis für Elektrizität. Denn Kohle- und Atomkraftwerke lassen sich oft nicht einfach abschalten, um das Angebot in ausreichendem Maße zu verknappen.

In solchen Phasen bekommen Betreiber von Wind- oder Solarkraftwerken besonders viel Geld aus der EEG-Umlage: Je geringer der an der Börse erzielte Preis, desto höher fällt der Ausgleichsbetrag über die EEG-Umlage aus, denn schließlich wird den Erzeugern von Wind- und Solarenergien ein bestimmter Preis garantiert. Die Umlage deckt immer die Differenz zwischen Börsenpreis und Einspeisevergütung.

Das hat zum Teil skurrile Folgen: Über Weihnachten lag der Strompreis in einzelnen Stunden bei ungefähr minus 22 Cent pro Kilowattstunde. Beträgt die Einspeisevergütung beispielsweise acht Cent pro Kilowattstunde, müssen die Übertragungsnetzbetreiber in einem solchen Fall 30 Cent aufwenden, um dem Betreiber seine Vergütung bezahlen zu können.

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