Samstag, 7. Dezember 2019

Crowdsourcing Verdi warnt vor der Arbeitswolke

Der Einsatz von Cloud Computing kann für Arbeitnehmer Schattenseiten haben, befürchtet Verdi

2. Teil: Noch wächst der Arbeitsmarkt für IT-Spezialisten

Homeoffice und Telearbeit seien in der IT-Branche nichts Neues, erläutert Juan-Carlos Rio Antas, IT-Arbeitsmarktexperte der IG Metall. "Crowdsourcing-Modelle sind im Kern Werkverträge, und die wurden ja nicht gestern erst neu erfunden", sagt Rio Antas. Doch durch Ausschreibung von Arbeitsschritten an eine weltweite Gemeinschaft ändere sich die Angebotssituation eklatant - zum oft einseitigen Vorteil der Auftraggeber.

So seien 500 Dollar Bezahlung für einen Studenten oder einen IT-Spezialisten in einem Schwellenland ein Topverdienst. "Wenn die global in Konkurrenz treten, ist das hervorragend für die Unternehmen", meint Rio Antas. Doch eine solche Preisspirale nach unten könnte zumindest mittelfristig auch feste Arbeitsverhältnisse in Deutschland bedrohen, warnt er.

Noch ist das nicht der Fall, sagt Stefan Pfisterer vom Branchenverband Bitkom gegenüber manager magazin online. Zwar hat der Bitkom in regelmäßigen Umfragen festgestellt, dass die Zahl der Selbständigen im IT-Bereich in den letzten fünf Jahren um bis zu 15.000 gewachsen ist. Doch im selben Zeitraum entstanden auch 28.000 neue, feste Stellen. "Wir sehen nicht, dass die Branche deutlich zu verschlanken versucht", sagt Pfisterer.

Durch die Auslagerung von Arbeitsprozessen in weltweite Rechnerzentren seien bislang in Deutschland eher Arbeitsplätze aufgebaut worden. Dass IT-Abteilungen in Unternehmen durch den vermehrten Einsatz von Cloud Computing schrumpfen, "können wir noch nicht beobachten", meint der Experte für den IT-Arbeitsmarkt. Zugenommen habe allerdings die Aufteilung großer Projekte in Module, die dann an Partner verlagert werden.

Ein Mitauslöser für das Positionspapier der Gewerkschafter waren Medienberichte im Februar. Damals schilderten mehrere Medien radikale Umbauplänen in der deutschen IBM-Niederlassung. In den nächsten Jahren könnte IBM Börsen-Chart zeigen bis zu 8000 seiner insgesamt 20.000 Stellen in Deutschland abbauen, hieß es. Künftig wolle der Konzern verstärkt freie Mitarbeiter einsetzen - und Projekte auf Internetplattformen ausschreiben.

Dass es solche Pläne gebe, bestreitet IBM auch heute. "Diese Berichte sind rein spekulativ, zu Spekulationen äußert sich das Unternehmen nicht", hieß es gegenüber manager magazin online. Die Geschäftsführerin von IBM Deutschland, Martina Koederitz, dementierte den Bericht mit einigen Wochen Verzögerung - und beruhigte die Mitarbeiter in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dapd. Im Moment gebe es "keine konkreten Planungen, unser jetziges Beschäftigungsmodell in Frage zu stellen", sagte sie Anfang März.

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