Dicker Gehaltsaufschlag Ärzte und Kassen einigen sich im Honorarstreit

Satter Aufschlag für Deutschlands Ärzteschaft: Ihre Honorare steigen auf einen Schlag um bis zu 1,27 Milliarden Euro. Das haben die Ärzte mit den Krankenkassen vereinbart. Zehntausende Ärzte wollen ihre eigenen Praxen an diesem Mittwoch dennoch geschlossen halten - und "streiken".
Protest trotz Einigung: Ärzteschaft demonstriert nach dicker Honorarerhöhung

Protest trotz Einigung: Ärzteschaft demonstriert nach dicker Honorarerhöhung

Foto: Adam Berry/ Getty Images

Berlin - Während die Konjunktur in Deutschland längst zu flimmern begonnen hat, der Arbeitsmarkt schwächer wird und wieder mehr Bundesbürger in Sorge um ihren Job sind, erhalten Deutschlands Ärzte einen satten Aufschlag auf ihre Honorare. Sie steigen für die rund 150.000 niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten im kommenden Jahr um 1,15 Milliarden bis 1,27 Milliarden Euro.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) einigten sich nach einem achtstündigen Verhandlungsmarathon am Dienstagabend in Berlin auf ein entsprechendes Ergebnis, wie der Vorsitzende des Erweiterten Bewertungsausschuss, Jürgen Wasem, sagte.

Das bisherige Schlichtungsergebnis von Ende August sah für die Ärzte und Psychotherapeuten ein Plus von 270 Millionen Euro im kommenden Jahr vor. Die Mediziner hatten dagegen 3,5 Milliarden Euro gefordert.

KBV-Chef Andreas Köhler und der stellvertretende GKV-Vorsitzende Johann-Magnus von Stackelberg zeigten sich zufrieden mit dem Ergebnis. Demnach soll die sogenannte Grundversorgung um 270 Millionen Euro steigen, wie bereits in ersten Verhandlungen entschieden worden war. Ferner sollen die Kosten für die Psychotherapie zukünftig aus dem Gesamtbudget herausgelöst werden.

"Streik" trotz Einigung

Ungeachtet der Verhandlungen hatten die freien Ärzteverbände für diesen Mittwoch einen "flächendeckenden Aktionstag" angekündigt, zu dem auch Praxisschließungen gehören sollten. Die Verbände rechneten mit bis zu 80.000 Teilnehmern. Ob und in welchem Ausmaß es nun tatsächlich zu Praxisschließungen kommen wird, blieb zunächst offen.

AOK-Chef Uwe Deh kritisierte die für diesen Mittwoch geplanten Praxisschließungen scharf. Die freien Ärzteverbände schadeten damit vor allem den Patienten, die auf eine reibungslose Versorgung angewiesen seien, sagte Deh im Interview der Nachrichtenagentur dapd. "Jeder, der jetzt meint, weiter auf Protest und Verunsicherung der Menschen setzen zu müssen, ist auf dem falschen Weg." Wichtig sei umso mehr, "dass die, die am Verhandlungstisch sitzen, zu einer Einigung gekommen sind".

Die Zeit der Verunsicherung sei damit vorbei, sagte Deh. Krankenkassen und Ärzte hätten wieder für "Stabilität und Sicherheit" gesorgt. Der Kassenchef betonte, dass die über eine Milliarde Euro zusätzlichen Zuweisungen für die Ärzte auch den Patienten zu Gute kämen. Das Paket, das jetzt geschnürt worden sei, gebe "beispielsweise neue Impulse bei der Psychotherapie, bei der Behandlung von chronisch kranken Menschen, bei der Versorgung im Alter oder auch bei besonders schweren Krankheitsverläufen".

kst/dapd/rtr