Mittwoch, 20. November 2019

Vermögensbericht Reiche trotz Euro-Krise immer reicher

Mein Haus, mein Auto, mein ... : Die vermögensstärksten 10 Prozent der Haushalte besitzen über die Hälfte des gesamten Nettovermögens

Die Reichsten werden immer reicher - die Armen immer ärmer. An dieser Schieflage in Deutschland hat sich auch in den vergangenen vier Jahren nichts geändert. Im Gegenteil.

Berlin - Der private Reichtum in Deutschland wird immer größer, das Vermögen des Staates hingegen kleiner. Gleichzeitig werden die Reichsten trotz Finanzkrise immer reicher. Das geht aus dem Entwurf für den vierten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung hervor, der der "Süddeutschen Zeitung" vorliegt. Die Analyse, die alle vier Jahre erarbeitet wird, stammt vom Bundesarbeitsministerium und ging am Montag zur Abstimmung an andere Ressorts in der Bundesregierung.

Dem Bericht zufolge hat der Wohlstand in Deutschland zuletzt kräftig zugenommen. Maßgeblich ist dabei das Nettovermögen, zu dem etwa Immobilien, Geldanlagen, Bauland oder Ansprüche aus Betriebsrenten gehören.

Das Arbeitsministerium schreibt dazu: "Während das Nettovermögen des deutschen Staates zwischen Anfang 1992 und Anfang 2012 um über 800 Milliarden Euro zurückging, hat sich das Nettovermögen der privaten Haushalte von knapp 4,6 auf rund zehn Billionen Euro mehr als verdoppelt."

Allein zwischen 2007 und 2012 hat sich das private Nettovermögen den Angaben zufolge um 1,4 Billionen Euro erhöht. Hinter diesen Zahlen stecke jedoch eine sehr ungleiche Verteilung der Privatvermögen. So vereinten die vermögensstärksten 10 Prozent der Haushalte über die Hälfte des gesamten Nettovermögens auf sich.

Abstand zwischen Ost und West verringert sich

Der Anteil dieses obersten Zehntels sei immer weiter gestiegen. 1998 belief er sich laut den amtlichen Zahlen auf 45 Prozent, 2008 war in den Händen dieser Gruppe bereits mehr als 53 Prozent des Nettogesamtvermögens. Die untere Hälfte der Haushalte verfüge über nur gut ein Prozent des gesamten Nettovermögens, heißt es in dem Bericht weiter.

Der Abstand zwischen West- und Ostdeutschland verringerte sich den Angaben zufolge. Westdeutsche Haushalte hätten aber im Schnitt immer noch ein Immobilien- und Geldvermögen von etwa 132.000 Euro, bei den ostdeutschen seien es 55.000 Euro.

Große Unterschiede gebe es auch in der Einkommmensentwicklung. Im "oberen Bereich" sei sie "positiv steigend" gewesen. Die unteren 40 Prozent der Vollzeitbeschäftigten hätten jedoch nach Abzug der Inflation Verluste hinnehmen müssen. "Eine solche Einkommensentwicklung verletzt das Gerechtigkeitsempfinden der Bevölkerung", heißt es dazu.

Der Bericht verteidigt dennoch den Anstieg der sogenannten atypischen Beschäftigung. Teilzeit- und Minijobs, Leiharbeit oder befristete Stellen seien nicht zu Lasten der Normalarbeitsverhältnisse gegangen. Das Bundesarbeitsministerium fügt aber kritisch hinzu: "Stundenlöhne, die bei Vollzeit zur Sicherung des Lebensunterhalts eines Alleinstehenden nicht ausreichen, verschärfen Armutsrisiken und schwächen den sozialen Zusammenhalt."

mg/dpa-afx/afp

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