Montag, 16. September 2019

Honorarstreit Ärzte starten Protestaktionen

Kassenbürokratie: Mit "gezielten Nadelstichen" wollen die Kassen ihren Forderungen über höhere Honorare Nachdruck verleihen

Keine Antworten auf Kassenanfragen, keine Stempel im Bonusheft: Mit verschiedenen Aktionen wollen die Ärzte heute ihren Unmut im Honorarstreit mit den Kassen kundtun. Ende September droht dann ein flächendeckender Streik.

Berlin - Aus Protest gegen die aus ihrer Sicht viel zu geringen Honorarsteigerungen haben die niedergelassenen Ärzte am Montag erste Aktionen gegen die gesetzlichen Krankenkassen gestartet. Nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) sind zahlreiche Maßnahmen in den Praxen vorgesehen.

Zunächst sollen formlose Anfragen nicht mehr schriftlich beantwortet werden, in denen sich die Kassen etwa nach Reha-Maßnahmen oder Krankschreibungen erkundigen. Zudem sollen die Kassen ihre Anfragen und Gesprächswünsche auf die Zeit vor acht Uhr morgens oder nach 20 Uhr abends beschränken.

Laut KBV-Chef Andreas Köhler sollen sie so einen Eindruck davon bekommen, wie lange Ärzte arbeiten. Die Zeit dazwischen werde gebraucht für die Versorgung der Patienten. Weiter ist vorgesehen, Bonushefte nicht mehr abzustempeln.

Kassen sollen Honorarbeschluss zurücknehmen

Die freien Ärzteverbände haben ihre konkreten Maßnahmen bislang nicht bekanntgegeben, um eine möglichst große Wirkung zu erzielen. Die Aktionen sollten aber in erster Linie auf die Kassenbürokratie zielen, teilte die Allianz Deutscher Ärzteverbände mit. Der Druck auf die Kassen werde sich durch die Nadelstiche merklich erhöhen.

Die Organisationen fordern von den Krankenkassen, den von ihnen im Schlichtungsgremium durchgesetzten Honorarbeschluss zurückzunehmen und an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Zudem müssten sie ihre "Schmutzkampagnen" gegen die Ärzte einstellen.

Bis Mittwoch haben die freien Ärzteverbände zu einer bundesweiten Urabstimmung über Streiks und Praxisschließungen aufgerufen. Diese sind für die letzte Septemberwoche angepeilt. Patienten müssen sich dann auf lange Wartezeiten einrichten.

Die 130.000 niedergelassenen Ärzte sind erzürnt, weil die im Gemeinsamen Bewertungsausschuss gegen den Widerstand ihrer Funktionäre beschlossene Honorarerhöhung um 270 Millionen Euro nur einen Bruchteil der verlangten 3,5 Milliarden Euro darstellt. Die KBV hat deshalb Klage vor dem Sozialgericht Berlin-Brandenburg eingereicht.

mg/rtr

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung