Zuschussrente Experten rütteln an von der Leyens Armutsrechnung

Droht den Deutschen die Verarmung im Pensionärsalter? Arbeitsministerin Urula von der Leyen will dagegen die Zuschussrente stellen. Doch die Kritik wird heftiger: Die Kalkulation der Ministerin sei fehlerhaft, ihre Zuschussrente bringe zudem nichts. 
Rentnerprotest: Debatte über Auskommen in der Pensionärszeit

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Foto: dapd

Berlin - Die Kritik am Zuschussrenten-Modell von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) flaut nicht ab. Nach der Rentenversicherung äußerte zudem der Vorsitzende des einflussreichen Sozialbeirats, Franz Ruland, Kritik. "Die Zahlen des Ministeriums sind ärgerlich, weil mit ihnen wegen des untauglichen Versuchs, die Zuschussrente zu begründen, die Rentenversicherung schlechtgeredet wird", sagte Ruland der "Süddeutschen Zeitung".

Von der Leyen hatte gewarnt, ohne zusätzliche private Vorsorge drohe allen Arbeitnehmern mit weniger als 2500 Euro brutto im Monat im Jahr 2030 eine Rente auf dem Niveau der Grundsicherung von 688 Euro. Mit der Zuschussrente will sie Minirenten auf bis zu 850 Euro aufstocken. Es gelinge dem Ministerium nicht, mit seinen Berechnungen die Notwendigkeit einer Zuschuss-Rente zu begründen, beklagte Ruland. Die Berechnungen gingen von Personen aus, die 35 Jahre lang in die Rentenversicherung eingezahlt hätten. Jedoch werde die Altersgrenze für die Rente derzeit auf 67 angehoben. "Versicherte können also auf wesentlich mehr Zeiten kommen, die ihre Rente steigern; bei den meisten ist das heute schon der Fall."

Nach Rulands Aussagen wird in den Berechnungen des Ministeriums zudem außer Acht gelassen, dass zwar das Rentenniveau gesenkt werde, diese Einbußen aber durch die steuerlich geförderte betriebliche und private Vorsorge ausgeglichen werden solle.

Von der Leyen (CDU) erhält mittlerweile selbst aus der Unionsführung kräftigen Gegenwind. Nach Ansicht von Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) ist eine Vermischung von Versicherungs- und Fürsorgeprinzip kein geeignetes Mittel zur Bekämpfung der zu erwartenden Altersarmut. Zur Bewältigung dieses Problems bedürfe es einer "systematischen Grundlösung", sagte er der "Recklinghäuser Zeitung".

Angesichts wachsender Angriffe auch aus den eigenen Reihen hat die Bundesarbeitsministerin ihre Pläne jetzt noch einmal öffentlich zu einer Zuschussrente für Geringverdiener verteidigt. "Ich gehe fest davon aus, dass die Zuschussrente kommt", sagte die CDU-Politikerin der "Bild"-Zeitung . Sie habe "einen guten Kompromiss vorgelegt".

kst/dpa/rtr