Subventionen Das Sterben der Regionalflughäfen

Nicht nur Großdebakel wie in Berlin beschäftigen die Luftfahrtbranche. Mit den Billigfliegern sind auch die Landeplätze in der Provinz auf dem Rückzug. Fast alle kämpfen mit roten Zahlen, manche Airports stehen vor der Schließung.
Hunsrück-Airport Frankfurt-Hahn: Die Auslastung sinkt dramatisch. Regionalflughäfen wie Lübeck oder Altenburg stehen vor der Schließung

Hunsrück-Airport Frankfurt-Hahn: Die Auslastung sinkt dramatisch. Regionalflughäfen wie Lübeck oder Altenburg stehen vor der Schließung

Foto: DPA

Hamburg - Ausgerechnet Hahn. Das Vorzeigeobjekt unter den deutschen Regionalflughäfen könne im kommenden Jahr in Geldnot geraten, räumte der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Roger Lewentz (SPD) am Dienstag ein. Wenn Passagier- und Frachtzahlen weiter sänken und dem Flughafen die Kosten für Infrastruktur nicht abgenommen würden, könne das Eigenkapital in eine "Grenzsituation" geraten.

"Insgesamt ist der Hahn eine Erfolgsstory mit 11.000 Arbeitsplätzen", betonte der Landespolitiker aber. Die Trennung der Infrastruktur vom Flugbetrieb, der für sich genommen schwarze Zahlen schreibe, solle "die Braut aufhübschen", um einen Investor zu finden. Nur ist kaum klar, wer die ehemalige US-Airbase im Hunsrück haben will. Das Land war 2009 zum Mehrheitseigner geworden, als der privatisierte Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport  sich im Streit mit Billigflieger Ryanair  um die Einführung einer Passagiergebühr zurückzog.

Bis Anfang 2013 soll eine Lösung für Hahn her. Wenn schon der Hunsrück-Airport, der trotz seiner abgeschiedenen Lage mit Ryanair im vergangenen Jahrzehnt den Sprung unter die Top Ten der deutschen Airports mit offiziellem Status als internationaler Verkehrsflughafen schaffte, nun in der Krise ist, wie steht es dann um die anderen?

"Nur noch jeder zweite Flughafen in Deutschland verzeichnet Passagierzuwächse", teilt der Flughafenverband ADV mit - und in dieser Statistik sind die kleinen Airport gar nicht enthalten. Während die Spitzenreiter Frankfurt, München und Düsseldorf Rekorde jagen, sinkt die Auslastung der Regionalflughäfen durchweg dramatisch.

Hahn, Lübeck, Altenburg, Erfurt: Suche nach Investoren

Zum Jahreswechsel dürfte sich auch für andere einst von Ryanair erkorene Standorte die Existenzfrage entscheiden. Während der Flughafen Hahn im vergangenen Jahr 27 Prozent weniger Passagiere abfertigte als im Spitzenjahr 2007 und im ersten Halbjahr 2012 weitere 12,5 Prozent verlor, hat Lübeck längst mehr als die Hälfte seiner Fluggäste verloren.

Auch hier hatte sich der private Investor, die neuseeländische Infratil, 2009 aus der Abhängigkeit von Ryanair zurückgezogen. Die überschuldete Stadt, die auf dem Zuschuss sitzenblieb, hat die Schließung beschlossen, wenn sich bis Jahresende kein Käufer findet - ein Unterfangen, das trotz dramatischer Appelle aus der örtlichen Wirtschaft als aussichtslos gilt.

Aus dem thüringischen Altenburg hat sich Ryanair bereits zum Sommerflugplan 2011 komplett zurückgezogen, nachdem die Startbahn verlängert und das Terminal ausgebaut wurden. Das Land zahlt noch bis Dezember die Flugsicherung für den unwahrscheinlichen Fall, dass ein Investor auftaucht. In der Zwischenzeit wird auf dem Platz ein Solarpark errichtet. Das benachbarte Erfurt, von Lokalgrößen als Gewinner im Wettbewerb ausgemacht, verlor zum Winterflugplan die Linien von Air Berlin .

Streit um Luftverkehrssteuer und mit der EU

Die kriselnde Fluggesellschaft, die laut Deutschem Zentrum für Luft- und Raumfahrt die Hälfte des Billigflugsegments in Deutschland bedient, streicht für ihre Sanierung kräftig Strecken. Doch die internationalen Schwergewichte Ryanair  und Easyjet  ziehen sich ebenfalls zurück, insgesamt schrumpfte der Billigflugverkehr im vergangenen Jahr um 14 Prozent.

Die 2011 eingeführte Luftverkehrssteuer wird von Airlines und Flughafenbetreibern verantwortlich gemacht, doch das DLR hat bereits 2008 einen "Umschwung" der Nachfrage ausgemacht.

Zu den wirtschaftlichen Probleme hinzu kommt noch ein Streit mit der Europäischen Kommission, die gegen Deutschland wegen Subventionen für mehrere Regionalflughäfen ermittelt. Am Flughafen Hahn bemängeln die Wettbewerbshüter, dass Landeskredite und eine Umschuldung "lediglich dazu beitragen, den Flughafenbetreiber von seinen Betriebskosten zu entlasten".

Der Flughafen Weeze an der niederländischen Grenze habe "in den letzten zehn Jahren verschiedene Darlehen und Zuschüsse zu nicht marktüblichen Bedingungen" erhalten, der Flugbetrieb scheine "auf öffentliche Unterstützung angewiesen zu sein".

Lufthansa beklagt Wettbewerbsverzerrung

Lübeck hätte nach Ansicht der Kartellwächter längst geschlossen werden müssen. In mehreren Fällen sieht die Kommission die niedrigen oder fehlenden Flughafengebühren als mögliche Wettbewerbsverzerrung und gibt damit der Lufthansa  Recht, die sich auf die großen Standorte konzentriert und in manchen Fällen gegen Regionalflughäfen Beschwerde führt. Oft kommen noch zusätzliche Zahlungen der Flughäfen an die Airlines hinzu, beispielsweise für Standortwerbung.

Besonders pikant sind die Fälle von Saarbrücken und Zweibrücken, die nur eine halbe Autostunde und eine Landesgrenze voneinander entfernt liegen. Der wie Hahn auf einer ehemaligen US-Airbase eröffnete rheinland-pfälzische Flughafen Zweibrücken hatte den Saarländern 2006 die damalige Hapagfly abgeworben - obwohl die beiden Länder schon 2001 eine Studie über Kooperationsmöglichkeiten in Auftrag gegeben hatten. Inzwischen ist der Linienbetrieb auch in Zweibrücken beendet.

Im Juli gab es einen Lichtblick für die Flughafenbetreiber. Die Kommission entschied, dass finnische Hilfen für den nur von Ryanair genutzten Flughafen Tampere in Ordnung seien. Nur werden wenige deutsche Airports das gleiche Urteil erwarten können: In Tampere handle es sich nicht um eine Beihilfe, weil ein privater Investor unter Marktbedingungen genauso gehandelt hätte. Denn die Low-Cost-Strategie sei einem Geschäftsplan mit Gewinnerwartungen gefolgt, die sich auch erfüllt hätten.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.