Erwerbstätige Deutsche Wirtschaft schafft weiter Jobs

Noch hält der Trend. Im zweiten Quartal haben erneut erkennbar mehr Leute hierzulande einen Job ausgeübt als in den Monaten zuvor. Und die Aussichten sind weiterhin passabel: Vor allem kleine und mittelgroße Unternehmen sorgen derzeit für hohe zusätzliche Stellenangebote.
Von Karsten Stumm
Mehr Jobs in der Lebensmittelindustrie: Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland wieder auf Rekordkurs

Mehr Jobs in der Lebensmittelindustrie: Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland wieder auf Rekordkurs

Foto: DDP

Wiesbaden - Deutschland verblüfft Südeuropa. Während sich die Staatsschuldenkrise quer durch Europa frisst und insbesondere südeuropäische Staaten wie beispielsweise Italien in die Rezession treibt, hält sich die Wirtschaft hierzulande zumindest aktuell noch passabel.

Erst deutete die Wirtschaftsleistung der Bundesrepublik im zweiten Quartal an, dass sich Deutschland zumindest entschlossen gegen den Abwärtssog stemmen kann. Und jetzt signalisieren Daten des Statistischen Bundesamts, dass davon auch die Jobsucher hierzulande profitieren: Die Unternehmen in Deutschland haben im zweiten Quartal ihre Belegschaften weiter ausgebaut.

Die Zahl der Erwerbstätigen ist somit zwischen April und Juni auf 41,6 Millionen Menschen gestiegen, wie die Bundesstatistiker am Donnerstag berichtet haben. Das waren 514.000 Personen oder 1,3 Prozent mehr als vor einem Jahr - und die Geschwindigkeit des Jobaufbaus blieb nahezu konstant: In den ersten Monaten dieses Jahres stieg die Erwerbstätigenzahl gegenüber der entsprechenden Vorjahresperiode noch um 1,4 Prozent.

Die Zahl der Erwerbstätigen nähert sich damit wieder dem im vergangenen Jahr erreichten deutschen Rekordwert von 41,359 Millionen, der im Dezember 2012 verzeichnet worden ist, denn der Trend deutet klar in diese Rekordrichtung: In allen Monaten dieses Jahres waren bisher 400.000 bis 500.000 Personen mehr beschäftigt als in den entsprechenden Monaten des Jahres 2011. Und die Zahl der freien Stellen deutet ebenfalls auf weitere mögliche Einstellungen hierzulande hin.

Weiter ansehnlicher Schwung auf em Arbeitsmarkt

Im zweiten Quartal 2012 gab es am ersten Arbeitsmarkt mehr als eine Million offene Stellen, davon 864.000 in Westdeutschland und 153.000 in Ostdeutschland, berichtet das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Insgesamt entwickelte sich der Arbeitskräftebedarf der Betriebe und Verwaltungen im Vergleich zum Vorjahresquartal leicht positiv, die Zahl der offenen Stellen stieg um 4 Prozent, berichten die Arbeitsmarktforscher - und auch, wer in Deutschland aktuell die Jobs schafft: 95 Prozent der Stellenangebote kommen von Betrieben mit unter 500 Mitarbeitern.

Das IAB erfasst viermal jährlich das gesamte Stellenangebot, also auch jene Stellen, die nicht den Arbeitsagenturen gemeldet werden. Im zweiten Quartal 2012 wurden Antworten von 9000 Arbeitgebern aller Wirtschaftsbereiche ausgewertet.

Wie lange der Aufwärtstrend anhält, der mehr und mehr Südeuropäer auf Jobsuche nach Deutschland drängt, wird aber immer unsicherer. Zu stark ist mittlerweile der Abwärtssog der Euro-Schuldenkrise, als dass sich die Bundesrepublik dem auf Dauer entziehen kann. Im Gegenteil: Längst machen sich die Bremsspuren hierzulande bitter bemerkbar: Das Bruttoinlandsprodukt ist zuletzt zwar für die Krisenphase ansehnlich um 0,3 Prozent gestiegen, verlangsamte sich damit aber bereits deutlich zum Vorquartal - und bleibt weit hinter dem sonst Möglichen zurück, etwa gemessen am deutschen Potenzialwachstum.

Überdies sind in den vergangenen Monaten so ziemlich alle wichtigen Konjunkturindikatoren ins Minus gedreht. Darunter der Geschäftsklimaindex des Münchener Ifo-Wirtschaftsforshungsinstituts und der Index des Mannheimer Zentrums für europäische Wirtschaftspolitik (ZEW). Deutschland ist offenbar auf voller Fahrt ins Ungewisse - und die Erfolgschancen für hiesige Jobsucher werden das wiederspiegeln. Noch grübeln Experten, wann es soweit sein wird.

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