Mittwoch, 18. September 2019

Miniwachstum Regierung sieht hohe Risiken für deutsche Wirtschaft

Baustelle in Frankfurt: Empfindliche Abkühlung der Konjunktur im zweiten Halbjahr

Die Euro-Krise verdüstert auch Deutschland: Angesichts der Dauerkrise in Europa rechnet das Bundeswirtschaftsministerium nur noch mit einem Miniwachstum im zweiten Quartal. Für die einst robuste Inlandskonjunktur gebe es inzwischen "erhebliche Risiken".

Berlin - "Die weiteren Aussichten für die deutsche Wirtschaft bleiben erst einmal verhalten und sind mit erheblichen Risiken behaftet", schrieb das Bundeswirtschaftsministerium am Freitag in seinem Monatsbericht. "Vor allem die Schuldenkrise in einigen Ländern des Euroraums wirkt erneut belastend, schürt Verunsicherung und führt zu Zurückhaltung in der Wirtschaft." Hoffnungen auf eine rasche Belebung der Weltkonjunktur hätten sich zudem als verfrüht erwiesen. "Die Erholungstendenz der Weltwirtschaft bleibt fragil", hieß es.

Für das zweite Quartal rechnet das Ministerium noch mit einem kleinen Wachstum. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte "moderat" zugelegt haben. 26 von Reuters befragte Ökonomen rechnen im Schnitt mit einem Wachstum von 0,2 Prozent, wobei die Schätzungen von plus 0,4 bis minus 0,2 Prozent reichen.

Zu Jahresbeginn gab es noch einen Anstieg um 0,5 Prozent. Eine erste Schätzung veröffentlicht das Statistische Bundesamt am Dienstag. Das Statistische Bundesamt legt am kommenden Dienstag seine vorläufigen Zahlen für das Wachstum im zweiten Quartal vor.

Verglichen mit anderen Euro-Länder stünde Deutschland damit noch gut da. In Italien brach das Bruttoinlandsprodukt um 0,7 Prozent ein, in Belgien um 0,6 Prozent und in Spanien um 0,4 Prozent. Für die gesamte Euro-Zone wird ein Minus von 0,2 Prozent erwartet. "Die deutsche Wirtschaft erweist sich in einem schwierigen europäischen Umfeld weiterhin als recht robust", betonte das Ministerium.

Deutsche Wirtschaftsleistung dürfte im dritten Quartal schrumpfen

Experten gehen davon aus, dass sich Deutschland davon nicht lange abkoppeln kann und im Sommer ebenfalls den Rückwärtsgang einlegt. "Wir erwarten, dass die Wirtschaft im dritten Quartal schrumpft", schrieben die Commerzbank-Ökonomen. Exporte, Produktion und Aufträge waren zuletzt gesunken. Mit dem Ifo-Geschäftsklimaindex signalisiert auch das wichtigste Konjunkturbarometer eine merkliche Abkühlung: Es liegt auf dem niedrigsten Niveau seit März 2010.

Das dürfte auch die Zahl der Firmenpleiten wieder steigen lassen. "Die konjunkturelle Abkühlung wird sich auf die Insolvenzzahlen voraussichtlich ab Herbst auswirken", sagte der Chef des Insolvenzverwalterverbands (VID), Christoph Niering. "Besonders die Automobilzulieferer stehen bei weiter nachlassender Konjunktur in Europa vor Problemen."

Wachstumsimpulse dürften dagegen vom Konsum kommen. "Die Zunahme der Beschäftigung und die vergleichsweise kräftigen Lohnerhöhungen schaffen weiterhin günstige Einkommens- und Konsumperspektiven als Voraussetzung für eine robuste binnenwirtschaftliche Nachfrage", betonte das Ministerium. Entlastung kommt auch von der Preisfront: Die Inflationsrate verharrte im Juli mit 1,7 Prozent auf dem niedrigsten Niveau seit Ende 2010.

la/reuters

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