Sonntag, 8. Dezember 2019

Flughafen Berlin Abflug offen

Gähnende Leere: Die Probleme beim Flughafen Berlin nehmen kein Ende

Der neue Berliner Hauptstadtflughafen mutiert zum Fass ohne Boden. Nicht nur, dass immer mehr Unternehmen Schadensersatz fordern. Auch vor Gericht mussten die Betreiber eine teure Schlappe einstecken.

Hamburg - Klassizistische Villen, großzügige Einfamilienhäuser, schicke Designerbauten und üppige Gärten. Kleinmachnow im Berliner Speckgürtel hat all das, woran es in der Hauptstadt vielerorts mangelt: es ist grün, ruhig, friedlich, wohlhabend. Mit 2 Prozent beträgt die Arbeitslosenquote gerade mal ein knappes Drittel des Bundesdurchschnitts, das Einkommen liegt dafür um rund ein Fünftel höher.

Und doch ist man schnell in Berlin. Ein Vorteil, den viele Gutverdienende und Prominente zu schätzen wissen. Jörg Schönbohm, der frühere Brandenburgische Innenminister wohnt hier, diverse semi-bekannte Fernsehschauspieler. Und demnächst auch Krawallrapper Bushido.

Doch mit der Ruhe in Kleinmachnow dürfte es bald vorbei sein. Schuld daran sind der neue Flughafen Berlin-Brandenburg und dessen Flugrouten, die die Lebensqualität der 20.000-Einwohner-Gemeinde deutlich senken dürften.

Dass der Ort nun wohl doch von der Streckenplanung betroffen sein wird, kam für die Kleinmachnower wie ein Schlag aus heiterem Himmel. Hieß es doch bis vor zwei Jahren, dass der Ort verschont bleibe.

Doch nun ist alles anders. Aus Sicherheitsgründen sollen die Routen nicht mehr parallel sondern abgeknickt voneinander verlaufen. Ein Fakt, der den Planern offenbar schon seit Jahren klar war, der aber erst 2010 kommuniziert wurde.

Kleinmachnow: Anwohner ziehen vor das Bundesverwaltungsgericht

Nun kämpft der Ort - der sich in seinen Widerspruchsrechten übergangen sieht - mit aller Kraft gegen die Verkehrsführung - und hat es mit seiner Klage bis vor das Bundesverwaltungsgericht geschafft.

Das erklärte Ziel: Die Route über Kleinmachnow zu verhindern. Dass das eine weitere Verzögerung des Flughafenstarts zur Folge hätte, stört Michael Schubert von der Bürgerinitiative "Weg mit den Flugrouten über Kleinmachnow" nicht. "Das ist nicht unser Problem", sagt der SPD-Mann.

Die Chancen, dass die Kläger mit ihrem Anliegen durchkommen, stehen allerdings nicht gut. Das ließen die Leipziger Verwaltungsrichter bereits bei einer Anhörung Anfang Juli durchblicken. Und das räumt auch Schubert ein.

Doch selbst dann hofft Schubert, der selbst Verwaltungsrichter ist, noch darauf, etwas herauszuholen, beispielsweise ein Nachtflugverbot oder eine Auflage, dass der Willy-Brandt-Flughafen nicht zum Drehkreuz werden dürfe. Zur Not will er dafür bis vor das Bundesverfassungsgericht oder den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ziehen.

Die Entscheidung der Leipziger Verwaltungsrichter steht am 31. Juli aus. Auch ein Volksbegehren für ein Nachtflugverbot ist bereits angelaufen

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