Blutige Geiselnahme Fünf Tote nach Wohnungsräumung

Fassungslosigkeit in Karlsruhe: Trotz Einsatzes eines Spezialkommandos der Polizei hat ein Geiselnehmer vier andere Menschen und sich selbst töten können. Die Opfer waren mit der Zwangsräumung der Wohnung des Täters beauftragt.
Sondereinsatzkommando der Polizei in Karlsruhe: Geiselnahme mit fünf Toten

Sondereinsatzkommando der Polizei in Karlsruhe: Geiselnahme mit fünf Toten

Foto: Uli Deck/ dpa

Karlsruhe - Traurige Gewissheit nach drei Stunden: Der Mann, der seine Wohnung in Karlsruhe aufgeben sollte, hat vier Menschen erschossen und dann sich selbst gerichtet. Das Einsatzkommando der Polizei findet nach der Stürmung der Wohnung nur noch Leichen.

Was war passiert? Kurz vor 8.00 Uhr morgens waren mehrere Personen zu dem Mehrfamilienhaus im ehemaligen Amerikaner-Viertel in der Karlsruher Nordstadt gekommen, um die Wohnung des späteren Täters zu räumen, erklärte die Karlsruher Polizei. Die Nordstadt, erst 1996 nach dem Umbau ehemaliger US-Kasernen entstanden, ist eine beliebte Wohngegend für Familien. Aus den Soldatenquartieren sind bezahlbare Wohnungen im Grünen entstanden.

An der Tür des Täters schellten deshalb unter anderem ein Gerichtsvollzieher, der, wie in solchen Fällen üblich, von einem Schlosser begleitet wird. Auch ein Sozialarbeiter gehört zu dem Team.

Ein Mann, der offenbar in der Wohnung lebt, öffnet die Tür und lässt die Männer ein. Kurz darauf fallen Schüsse - und die Polizei rückt mit einem Großaufgebot an. Unter den Ermittlern sind auch Beamte eines Sondereinsatzkommandos. Irgendwann zwischen 11.00 und 12.00 Uhr schlagen die Einsatzkräfte zu, weil Rauch aus der Wohnung kommt. Sie können das Drama nicht mehr verhindern: Fünf Menschen werden tot in der Wohnung aufgefunden.

Polizei: "Geiselnahme war geplant"

Bei den Opfern des 53-Jährigen handelt es sich um den Gerichtsvollzieher (47), den 33-jährigen Mitarbeiter eines Schlüsseldienstes, den neuen Wohnungsbesitzer im Alter von 49 Jahren sowie die bisherige Wohnungsinhaberin und die Lebensgefährtin des Täters. Den Mitarbeiter des Karlsruhers Sozialamtes ließ der Täter laut Polizei laufen; dieser hatte dann offenbar die Polizei informiert.

Nach Angaben der Polizei hat der Mieter und Täter zwei seiner Opfer regelrecht hingerichtet. Die beiden Männer seien gefesselt und durch Kopfschüsse getötet worden, teilte die Polizei am Mittwoch in Karlsruhe mit. Ein dritter Mann sei tot vor einer Couch im Wohnzimmer gefunden worden. Er hatte laut Polizei versucht, dem Täter die Waffe zu entreißen, wurde dabei aber durch mehrere Schüsse tödlich getroffen.

Die 55 Jahre alte Lebensgefährtin des Mannes und Mieterin der Wohnung starb den Angaben zufolge durch einen aufgesetzten Schuss. Der Täter richtete sich durch einen Schuss mit einer Schrotflinte in den Kopf selbst.

Nach Polizeiangaben war der Täter schwer bewaffnet, unter anderem mit zwei Pistolen, einem Schrotgewehr, einem weiteren Gewehr sowie reichlich Munition. Neben den Waffen habe er sich bereits Fesselwerkzeug bereitgelegt. Deshalb geht die Polizei davon aus, dass er die Tat im Vorfeld geplant hatte. "Nach jetziger Sachlage gehe ich davon aus, dass er auch eine Geiselnahme und sogar Mord an den eintreten Personen geplant hat", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Gunter Spitz am Nachmittag in Karlsruhe.

kst/afp/aapd/dpa

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