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Elektroautos: Welche E-Mobile zu den Händlern kommen

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Elektromobilität Die Qual mit der Zahl

Eine Million Elektroautos sollen bis 2020 auf deutschen Straßen rollen - offenbar liegt dieses Ziel in weiter Ferne. Pikant aber, dass nicht einmal Verkehrsminister Peter Ramsauer weiß, wie viele Stromer überhaupt fahren. Die stets genannte Zahl von 4500 ist jedenfalls falsch.

Hamburg - Es war mal wieder eine recht traurige Veranstaltung, als jüngst die Honoratioren des deutschen Elektroautowesens aufmarschierten. Anlass: Die Präsentation des Zwischenberichts der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE).

Kaschiert von einem hohen Anteil an Ausreden, Rechtfertigungen und Durchhalteparolen war die Botschaft, dass es bisher bestenfalls schleppend vorangeht mit dem staatlich verordneten Siegenszug der Stromer - da waren sich Verkehrsminister Peter Ramsauer, Wirtschaftsminister Philipp Rösler und NPE-Chef Henning Kagermann weitgehend einig.

Eine Million Elektrofahrzeuge sollen nach Vorstellung der Bundesregierung im Jahr 2020 auf deutschen Straßen fahren. Sie würden Deutschland weniger abhängig von Ölimporten machen sowie einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Doch ohne neue Kaufanreize würden es wohl nur 600.000 Autos.

Das kleine Problem der Elektromobilitäts-Planer: Sie alle wissen noch nicht einmal, wie viele Elektroautos derzeit auf deutschen Straßen unterwegs sind. Und es ist auch nicht abzusehen, dass sie im weiteren Verlauf ihres Projekts überhaupt beziffern können, wie sich ihre "Hochlaufkurve" tatsächlich entwickelt.

Viele Typen werden bisher unterschlagen

Nach der offiziellen Sprachregelung fahren momentan 4541 Elektroautos in der Bundesrepublik. Doch diese vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ermittelte Zahl ist nur die halbe Wahrheit. Einerseits bezieht sie sich auf den 1. Januar 2012. Seitdem ist eine vierstellige Zahl weiterer Elektroautos zugelassen worden. Andererseits umfasst der Wert lediglich rein batteriebetriebene Pkw. Alle anderen Arten von Fahrzeugen, die die NPE mit ihrer geplanten Million meint, sind gar nicht enthalten.

Beispiel Nutzfahrzeuge: Zum 1. Januar fuhren laut KBA immerhin 1457 leichte und schwere Lastwagen mit Elektroantrieb in Deutschland, dazu zählen Transporter wie der Peugeot Partner und der Renault Kangoo. Hinzu kommen 218 Zugmaschinen, 90 Busse und 241 sonstige Kraftfahrzeuge.

Für Batterieautos mit Reichweitenverlängerer gibt überhaupt keine Zahl Aufschluss darüber, wie viel es von ihnen gibt. Diese Gruppe, zu der Opel Ampera und Chevrolet Volt gehören, rangiert außerhalb der Elektroauto-Statistik des KBA. Sie gehen stattdessen in der allgemeinen Kategorie "Hybrid" auf.

Genauso unbefriedigend ist die Lage auch bei Plug-in-Hybriden. Modelle wie der neue Toyota Prius Plug-in-Hybrid verschwinden ebenfalls in der Hybrid-Schublade. Anders als beim Ampera lässt sich noch nicht einmal ermitteln, wie viele Prius-Plug-in-Hybride neu zugelassen werden - denn sie werden in der Zulassungsstatistik allgemein unter Toyota Prius geführt. Und die haben eben nur zum Teil eine Steckdose - der Ampera dagegen immer. Er wurde 2011 genau 241-mal zugelassen.

Wie viele Stromer wirklich schon fahren

Für die Zählung sind beide Fahrzeuggruppen aber von großer Bedeutung. Gerade im Bereich der leichten Nutzfahrzeuge, bei Plug-in-Hybriden und Batterieautos mit Reichweitenverlängerer sehen viele Autoexperten das größte Potenzial der Stromer in näherer Zukunft.

So haben Handwerker und Lieferanten oft einen begrenzten täglichen Radius und können ein Elektrotransporter gut in ihren Alltag integrieren. "Grundsätzlich gilt, wer viel fährt, kann mit E-Mobilen günstiger als mit konventionellen Antrieben unterwegs sein", sagt Produktionswirtschaftsexperte Tobias Held von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg.

Privat- und Geschäftsleute dagegen wollen auf lange Fahrten nicht verzichten und greifen künftig wohl häufiger zu einem Elektroauto mit Reichweitenverlängerer wie dem geplanten i3 von BMW  oder einem Plug-in-Hybrid, solange es kein flächendeckendes Netz von Schnellladestationen gibt.

Verwirrung mit System?

Gerade zwei Wachstumssegmente der Elektromobilität sind in der offiziellen NPE-Zahl also nicht enthalten, und eine Änderung ist nicht in Sicht. "Es ist nicht vorgesehen, neue Schlüsselnummern einzuführen", heißt es beim KBA in Flensburg. Die Schlüsselnummern in den Fahrzeugpapieren bezeichnen die Antriebsart eines Autos.

Im Bundesverkehrsministerium ist die Thematik bisher offenbar unbekannt. Eine Sprecherin verweist gegenüber manager magazin online auf die offizielle Zahl von 4541 Autos. Die Frage, ob und wie die Zählung geändert wird, lässt sie unbeantwortet.

Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) tappt also weiter im Dunkeln. So wird ihm möglicherweise auch entgehen, dass die Zahl der verkauften Elektroautos derzeit ordentlich in Schwung kommt. Hauptgrund ist der Marktstart des Renault Twizy. Der Winzling wurde bis einschließlich Mai bereits 1001 mal zugelassen - taucht aber ebenfalls nicht in der NPE-Statistik auf. Insgesamt dürfte es bereits deutlich über 10.000 Elektroautos in Deutschland geben (siehe Kasten links).

Vielleicht ist es den Elektrostrategen aber auch gar nicht ganz unrecht, dass sie ohne exakte Zahlen dastehen. Sollten sie ihre Ziele absehbar verfehlen, könnten sie jederzeit noch weitere Daten aus dem Hut zaubern - und notfalls auf die Zahl verkaufter Elektrofahrräder zurückgreifen: Da ist die Million jedenfalls schon jetzt erreicht.

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