Preissteigerung Die größten Inflationsrisiken für Deutschland

Benzin ist etwas billiger geworden - das dämpft die Preissteigerung. Doch die Entspannung soll nicht von Dauer sein, meinen Experten. Sie sehen vier große Inflationsrisiken für Deutschland.
Risiko EZB: Die Europäische Zentralbank gilt als Hüterin der Preisstabilität. Ihre expansive Geldpolitik stellt aber ein großes Inflationsrisiko dar

Risiko EZB: Die Europäische Zentralbank gilt als Hüterin der Preisstabilität. Ihre expansive Geldpolitik stellt aber ein großes Inflationsrisiko dar

Foto: Arne Dedert/ dpa

Berlin - Fallende Benzinpreise haben die deutsche Inflationsrate erstmals seit rund anderthalb Jahren unter 2 Prozent gedrückt. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich im Mai um durchschnittlich 1,9 Prozent zum Vorjahresmonat, bestätigte das Statistische Bundesamt vorausgegangene Schätzungen.

Damit herrschen nach Definition der Europäischen Zentralbank wieder stabile Preise, die sie nur bei Werten bis knapp unter 2 Prozent gewährleistet sieht. Das war zuletzt im Dezember 2010 der Fall.

Experten befürchten aber, dass die Entspannung nicht von Dauer sein wird und die Preise künftig schneller steigen werden als in der Euro-Zone. Das sind die größten Inflationsrisiken für Deutschland:

Lohn-Preis-Spirale: Wegen der guten Konjunktur haben die Gewerkschaften kräftige Lohnerhöhungen durchgesetzt: Die Chemie-Beschäftigten bekommen 4,5 Prozent, die Metaller 4,3 Prozent mehr Geld, mit einer Laufzeit von rund einem Jahr. Die Beschäftigten bei Bund und Kommunen handelten ein Plus von 6,3 Prozent für zwei Jahre aus.

Unternehmen und Staat werden versuchen, die höheren Personalkosten aufzufangen, indem sie ihre Preise beziehungsweise Gebühren und Abgaben anheben. Verteuert sich die Lebenshaltung dadurch merklich, werden die Gewerkschaften in der nächsten Lohnrunde einen Ausgleich verlangen. Es droht eine Spirale, bei der sich Löhne und Preise gegenseitig nach oben schaukeln.

Lockere Geldpolitik der EZB: Bei ersten Anzeichen für eine Lohn-Preis-Spirale müsste die EZB ihre Zinsen anheben. Mit teurerem Geld kann sie Konsum und Investitionen drosseln, was die Nachfrage und damit den Preisauftrieb dämpfen könnte. Aus Rücksicht auf die schwere Wirtschaftskrise in Ländern wie Spanien wird die Zentralbank ihren Leitzins aber wohl noch längere Zeit auf dem Rekordtief von einem Prozent lassen - oder sogar weiter senken. Die extrem niedrigen Zinsen aber können den Konsum im prosperierenden Deutschland weiter befeuern und die Preise anheizen.

Schwacher Euro: Wegen der eskalierenden Schuldenkrise steht der Euro unter Abwertungsdruck. Mit rund 1,25 Dollar ist er so billig wie seit Sommer 2010 nicht mehr. Das Problem: Deutschland als rohstoffarmes Land muss Öl, Metalle und andere Materialien im Ausland kaufen. Auf den Weltmärkten werden die Rohstoffe überwiegend in Dollar abgerechnet. Ein schwächerer Euro macht damit deutsche Importe teurer.

Hohe Liquidität: Zusätzliche Gefahren gehen von der Politik der Europäischen Zentralbank aus, den Finanzhäusern billiges Geld in Hülle und Fülle zur Verfügung zu stellen. Allein Ende 2011 und Anfang 2012 hat sie mehr als eine Billion Euro zum Zins von aktuell 1 Prozent für drei Jahre in den Finanzsektor gepumpt. Zieht die Kreditvergabe an die Unternehmen erst einmal an, kann das viele Geld schnell in Inflation münden.

rei/rtr
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