Nach NRW-Wahlerfolg SPD-Linke fordert Kanzlerkandidatin Kraft

In der SPD werden die Rufe nach Hannelore Kraft als Herausforderin von Bundeskanzlerin Angela Merkel von lauter. Vor allem die Parteilinke sieht die Wahlgewinnerin aus Nordrhein-Westfalen als Garantin für Erfolg - und für eine inhaltliche Neuausrichtung der Sozialdemokraten.
Garantin für Erfolg: Kraft betonte allerdings, in NRW bleiben zu wollen

Garantin für Erfolg: Kraft betonte allerdings, in NRW bleiben zu wollen

Foto: dapd

Berlin - Vertreter der Parteilinken und des SPD-Arbeitnehmerflügels äußerten am Wochenende den Wunsch, dass Hannelore Kraft als Kanzlerkandidatin gegen Amtsinhaberin Angela Merkel in den nächsten Bundestagswahlkampf zieht. Kraft hatte die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen mit Abstand für die Sozialdemokraten gewonnen.

Auch in Umfragen liegt die NRW-Ministerpräsidentin klar vorn: Nach einer Emnid-Erhebung im Auftrag der "Bild am Sonntag" glauben inzwischen 26 Prozent der Deutschen, dass Kraft die besten Chancen gegen Merkel hätte. Mit diesen Werten lasse Kraft SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier (18 Prozent), Ex-Finanzminister Peer Steinbrück (16 Prozent) und SPD-Chef Sigmar Gabriel (elf Prozent) deutlich hinter sich.

Kraft hatte allerdings nach ihrem Wahlsieg in Nordrhein-Westfalen versichert, sie wolle nicht nach Berlin in die Bundespolitik wechseln. Ihre Aufgabe liege in Nordrhein-Westfalen, darauf könnten sich die Bürger verlassen. Gabriel hatte nach der spektakulären Entlassung von Umweltminister Norbert Röttgen durch Merkel Neuwahlen gefordert.

"Hannelore Kraft hätte als SPD-Kanzlerkandidatin sehr gute Chancen", sagte die Vize-Chefin der SPD-Bundestagsfraktion, Elke Ferner, dem "Spiegel". Auch die Sprecherin der Parteilinken Heide Mattheis wünscht sich nach eigenen Worten Kraft als Kanzlerkandidatin. "Vom Typ her wäre Hannelore Kraft imstande, Angela Merkel zu schlagen", sagte sie dem Magazin. Klaus Barthel, der Vorsitzende des Arbeitnehmerflügels, sagte der "Bild am Sonntag": "Hannelore Kraft ist für die Kanzlerkandidatur nicht nur am geeignetsten, sondern hat auch die größten Erfolgschancen gegen Angela Merkel".

Zugleich befeuert der Wahlsieg Krafts offenbar die Diskussion über eine inhaltliche Neuorientierung der SPD. Kraft habe gezeigt, dass man Wahlen auch mit einem anderen Kurs als nur Konsolidierung gewinnen könne, sagte Mattheis.

Juso-Chef Sascha Vogt ergänzte, Entschuldung sei offenbar kein Thema, das viele Menschen berühre. Er beklagte, dass der Schuldenabbau dennoch von einigen in der Partei "wie eine Monstranz" vor sich her getragen werde. Er forderte von der SPD auch eine härtere Haltung in den Verhandlungen um eine Zustimmung zum europäischen Fiskalpakt ein als sie bislang von der SPD-Führungstroika vertreten wird. Der SPD-Landeschef in Schleswig-Holstein, Ralf Stegner, sagte, Krafts Politik zeige, wie die SPD finanzpolitisch aus der Defensive kommen könne.

ts/rtr
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