Nach NRW-Wahldebakel CSU-Chef Seehofer fordert Spitzentreffen

Nach dem Wahldebakel der CDU bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen ist CSU-Chef Horst Seehofer kaum noch zu halten. In einem Interview bezeichnet er das Ergebnis von Norbert Röttgen als "Desaster" und fordert politische Konsequenzen in der schwarz-gelben Koalition.
Seehofer im ZDF-Interview: "Wir müssen besser werden, auch in Berlin"

Seehofer im ZDF-Interview: "Wir müssen besser werden, auch in Berlin"

Foto: ZDF

Berlin - "Wir sollten etwas nicht schönreden, was nicht schön ist. Das ist die bittere Wahrheit, das war ein Desaster gestern", kommentierte CSU-Chef Horst Seehofer die nordrhein-westfälische Landtagswahl am Montagabend im ZDF. Eindringlich forderte er Konsequenzen für die Arbeit der Koalition in Berlin.

"Meine Antwort ist schlicht darauf, dass wir jetzt nicht so tun, als wäre gestern nichts passiert, sondern wir müssen daraus Konsequenzen ziehen", sagte Seehofer. "Ich bin nicht mehr bereit, einfach zur Tagesordnung überzugehen. Wir müssen besser werden, auch in Berlin."

Seehofer hielt dem in Nordrhein-Westfalen unterlegenen CDU-Spitzenkandidaten Norbert Röttgen erneut schwerste Fehler und Versäumnisse vor. "Der Röttgen hat gegen die Frau Kraft mit einem Verhältnis 37 zu 34 Prozent begonnen", sagte der CSU-Chef mit Blick auf die Ausgangsposition. "Und innerhalb von sechs Wochen ist das weggeschmolzen wie ein Eisbecher, der in der Sonne steht."

Als größten Fehler bezeichnete Seehofer die fehlende Bereitschaft Röttgens, sich auch im Falle einer Wahlniederlage auf Nordrhein-Westfalen festzulegen. Er habe Röttgen gewarnt, dass es nicht dessen private Entscheidung sei, ob er nach NRW gehe oder nicht, das träfe die ganze Union, sagte Seehofer. "Ich habe mit ihm gesprochen, persönlich und über die 'Bild'-Zeitung und persönlich hat er mich dann abtropfen lassen."

FDP-Kritik: "Wie im Kindergarten"

Der CSU-Chef forderte ein Treffen der Parteivorsitzenden von CDU, CSU und FDP, um die dringendsten Probleme wie Energiewende, Vorratsdatenspeicherung und Betreuungsgeld zu lösen. An Treffen des Koalitionsausschusses will Seehofer dagegen nicht mehr teilnehmen, bis es eine Einigung beim Betreuungsgeld gibt.

Dagegen wächst in der FDP der Unmut. In der "Bild"-Zeitung forderten führende Liberale Seehofer auf, seine Blockadehaltung zu beenden. Das FDP-Bundesvorstandsmitglied Lasse Becker sagte der Zeitung: "Horst Seehofer verhält sich wie im Kindergarten. Er spielt mit dem Erfolg der Koalition und sollte daher schnell aus der Schmollecke kommen."

Auch Vorstandskollegin Katja Suding kritisierte Seehofer scharf und forderte den CSU-Chef zum Einlenken auf. "Herr Seehofer wäre gut beraten, die Mätzchen zu lassen. Sich der Arbeit zu verweigern, ist verantwortungslos", sagte Suding. Seehofer sollte mit den Spitzen der anderen Koalitionsparteien CDU und FDP nach "einem vernünftigen Kompromiss" suchen.

mg/dpa-afx

Mehr lesen über

Verwandte Artikel

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.