Montag, 23. September 2019

Abkehr von Atomkraft Kritik an Merkels Energiewende steigt

Offshore-Windpark Alpha Ventus: Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnt zu mehr Anstrengungen

Tausende Kilometer Leitungen fehlen, Gaskraftwerke rechnen sich kaum: Die Kritik am derzeitigen Stand der Energiewende wird lauter. Morgen trifft Angela Merkel mit Vertretern der Energiebranche zusammen - macht sie die Energiewende nun stärker zur Chefsache?

Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) muss die Energiewende nach Meinung von Wirtschaft und Opposition stärker zur Chefsache machen, um die großen Probleme beim Netz- und Kraftwerksbau zu lösen. "Es hapert an allen Ecken und Enden, diese Energiewende ist ein Desaster", sagte SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier dem "Hamburger Abendblatt". "Das Ausstiegskonzept wurde mit heißer Nadel strickt, der Netzausbau kommt nicht in Gang und die Integration der erneuerbaren Energien misslingt."

Merkel (CDU) will am morgigen Mittwoch mit führenden Branchenvertretern über Probleme bei der Umsetzung der Energiewende sprechen. An dem Treffen im Kanzleramt sollen unter anderem Spitzenvertreter von RWE, Eon, Siemens und des Stadtwerkeverbunds Thüga teilnehmen.

Im Vorfeld mahnte Merkel zu mehr Anstrengungen bei Windenergieparks im offenen Meer. Das wirtschaftliche Risiko solcher Anlagen müsse beherrschbar sein, forderte die CDU-Vorsitzende im "Hamburger Abendblatt" laut Vorabbericht. Auch sei die Anbindung ans Festland eine Herausforderung.

Merkel sprach sich zudem für eine stärkere Förderung der Offshore-Windenergie aus. "Momentan überarbeiten wir die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür", sagte sie. Die andere große Aufgabe werde der Netzausbau sein, "damit wir die Windenergie vom Norden in den Süden leiten können".

Kaum Pläne für neue Gaskraftwerke

Insgesamt zeigte sich Merkel gegenüber dem Hamburger Abendblatt zufrieden mit dem Stand der Energiewende. "Die Arbeit an der Energiewende läuft auf allen Ebenen und in allen zuständigen Ministerien intensiv", sagte sie.

Das sehen Experten und Oppositionspolitiker allerdings anders. Bei dem morgigen Treffen soll vor allem darum gehen, welche konventionellen Kraftwerke die Stilllegung von neun Atomkraftwerken bis 2022 auffangen können.

Bisher gibt es zum Beispiel kaum Pläne für neue Gaskraftwerke. Da es einen Einspeisevorrang für Wind- und Solarstrom gibt, ist angesichts von immer mehr Ökoenergie unklar, ob sich eine Milliardeninvestition in ein Gaskraftwerk überhaupt rechnen würde. Denn bisher ist unabsehbar, wie viele Stunden das Kraftwerk pro Jahr Strom produzieren könnte.

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