Mittwoch, 24. Juli 2019

Biosprit Aufholjagd an der Tanksäule

Frusterlebnis: Sprit bleibt teuer

Die Benzinpreisrekorde vor Ostern schockieren Autofahrer - doch  Biosprithersteller schöpfen Hoffnung. Sie setzen darauf, dass die Rekordjagd an der Zapfsäule dem ungeliebten E10 endlich zum Durchbruch verhilft. Die Nachfrage zieht bereits an.

Hamburg - Leichte Beute war es nicht, die Unbekannte im vergangenen August in Hofheim am Taunus machten: Um zu den begehrten Fässern zu gelangen, mussten sie ein Hoftor aufbrechen. Erst dann konnten sie die insgesamt 80 Behälter einladen - mit 12.000 Litern altem Frittenfett.

Was die deutsche Polizei ratlos zurückließ, gehört in den USA bereits zum Alltag. Im Geburtsland von Kentucky-Fried-Chicken und McDonald's hat sich zum Schutz des begehrten Abfallproduktes bereits eine ganze Sicherheitstruktur entwickelt. Mit Privatdetektiven, Alarmsystemen und Überwachungskameras schützen Unternehmer ihr Frittenfett, das über professionelle Verwerter mittlerweile 300 Dollar pro Container bringt.

Auch wenn der Trend zum Biosprit die Phantasie von Dieben anzuregen scheint - der deutsche Autofahrer tut sich damit noch immer schwer. Mehr als ein Jahr nach dem katastrophalen Start von E10 können sich weiterhin nur wenige Verbraucher für den Treibstoff mit bis zu zehnprozentiger Bioethanol-Beimischung begeistern.

Nur etwa jeder zehnte Autofahrer tankt Biosprit - obwohl der Treibstoff wegen des Steuervorteils drei Cent billiger an den Tanksäulen ist und ihn laut Automobilverband VDA neun von zehn deutschen Autos problemlos vertragen.

Vereinzelter Anstieg auf 30 Prozent

Nach dem verpatzen Start im vergangenen Jahr waren auch im Januar 2012 nur 11,8 von 100 verkauften Litern Ottokraftstoff von der Sorte E10. Viel weniger als erwartet - und viel weniger als beispielsweise in Frankreich, wo die E10- Quote bei mehr als 17 Prozent liegt. "Mühsam nährt sich das Eichhörnchen", heißt es dazu beim Verband der Mineralölwirtschaft, der den Fehlstart damals mitzuverantworten hatte.

Repräsentative Zahlen, ob die aktuelle Preiswelle die Begeisterung für den steuervergünstigten Sprit doch noch anheizen kann, gibt es noch nicht. Doch die deutschen Biosprithersteller schöpfen Hoffnung: "Aus einigen Regionen werden bereits Marktanteile von bis zu einem Viertel für Super E10 berichtet", äußert sich der Bundesverband der Deutschen Bioethanolwirtschaft zufrieden. Der Zentralverband des deutschen Tankstellengewerbes (ZTG) berichtet vereinzelt sogar von einem Anstieg auf 30 Prozent.

Auch wenn es nach Einschätzung des Verbandes bundesweit nur zu einem bescheidenen Zuwachs von rund 1,5 Prozent im Februar reichen dürfte: Die Ethanolwirtschaft hofft auf längerfristig steigende Absatzzahlen. Der hohe Ölpreis spielt der Biospritherstellern in die Hände - und verhilft der Branche zu ganz ungewohnten Vorteilen. Der Höhenflug des Ölpreises bescherte Bioethanol im Februar einen Preisvorteil von 3,1 Cent.

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