Euro-Krise Deutschlands Schuldenberg wächst

Nach Berechnungen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) wird die Bundesregierung ihr Ziel verfehlen, die Staatsschulden zu reduzieren. Stattdessen treibe die Euro-Rettung den Schuldenstand. Italien erreicht derweil einen neuen Rekord.
Schuldenuhr in Berlin: Die Zahl wird nicht kleiner

Schuldenuhr in Berlin: Die Zahl wird nicht kleiner

Foto: Getty Images

Düsseldorf - Im laufenden Jahr werde der Schuldenstand in Deutschland im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung steigen, berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf IfW-Berechnungen. "Bis 2013 wird die Euro-Rettung den Schuldenstand um 85 Milliarden Euro erhöhen", sagte IfW-Finanzexperte Jens Boysen-Hogrefe.

Insgesamt dürften die Staatsschulden dieses Jahr um 57 Milliarden Euro auf insgesamt 2,14 Billionen Euro zulegen, so das IfW. Damit steige die Schuldenquote von 80,9 Prozent auf 81,6 Prozent. Sie liegt damit weit über dem im Maastricht-Vertrag und im neuen Fiskalpakt festgelegten Schwellenwert von 60 Prozent. "Wenn nichts schiefgeht, könnte Deutschland diese Schwelle in zehn bis zwölf Jahren wieder einhalten", sagte IfW-Exdperte Boysen-Hogrefe.

Erst kürzlich hatten Bundestag und Europarlament das zweite Rettungspaket für Griechenland im Umfang von 130 Milliarden Euro beschlossen.

Die Bundesrepublik ist damit allerdings prozentual gesehen geringer verschuldet als die meisten anderen Euro-Staaten. Nach Angaben der Statistikbehörde Eurostat lag der Schuldenstand zum Ende des dritten Quartals 2011 im Schnitt aller Euro-Staaten bei 87,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Griechische Verschuldung bei 160 Prozent

Schlimmer sieht es im pleitebedrohten Griechenland aus. Dort wuchs die gesamtstaatliche Verschuldung im dritten Quartal um 4,4 Prozentpunkte auf 159,1 Prozent der Wirtschaftsleistung. Damit drückten Griechenland im Oktober Schulden von mehr als 347 Milliarden Euro. Bis zum Jahr 2020 soll Hellas seine Verschuldung auf unter 120 Prozent drücken - und das ist noch immer doppelt so viel wie erlaubt.

Italiens öffentlicher Schuldenberg erreichte im Januar mit 1,94 Billionen Euro einen neuen Rekordstand. Ende 2011 lag die Staatsverschuldung noch knapp unter 1,9 Billionen Euro. Innerhalb eines Monats wuchs diese dann um 37,9 Milliarden an, teilte die Banca d'Italia in Rom mit. Den letzten Höchststand hatte es mit rund 1,91 Billionen Euro im Juli 2011 gegeben. Italien hat nach Griechenland den höchsten Schuldenstand der Eurozone, gemessen an der Wirtschaftsleistung. Er beträgt für Italien derzeit etwa 120 Prozent.

Auch Portugal bekommt seine Schulden nicht in den Griff. Der Schuldenstand kletterte im dritten Quartal im Vergleich zu den drei Vormonaten um 3,6 Prozentpunkte auf 110,1 Prozent. Irlands Verschuldung wuchs im selben Zeitraum um 2,6 Prozentpunkte auf 104,9 Prozent. Alle drei Länder erhalten Finanzspritzen internationaler Geldgeber.

ts/dpa-afx

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