Samstag, 7. Dezember 2019

Krankenkassen Reserven türmen sich immer höher

Gesetzliche Krankenkassen: Hilfsforderungen bei Defiziten, keine Rückzahlungen bei Überschüssen

Lange meldeten sie nur Finanzlöcher, jetzt horten Deutschlands Kassen immer höhere Milliardenreserven. Nach Angaben des Verbands der gesetzlichen Krankenkassen verfügen sie bereits über Rücklagen von 9,9 Milliarden Euro. Den Versicherten wollen sie dennoch keinen Cent davon geben.

Berlin - Wer hätte das je gedacht? Selbst Deutschlands Krankenkassen horten plötzlich Cash. Nach Jahren immer neuer Milliardenverluste macht sich jetzt auch bei ihnen die sinkende Arbeitslosenzahl bemerkbar. Die Einnahmen steigen, und das kräftig. Die gesetzlichen Krankenkassen haben laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" im vergangenen Jahr einen Rekordüberschuss von mehr als vier Milliarden Euro erwirtschaftet; 2010 wiesen die Kassen demnach noch ein Defizit von 390 Millionen Euro aus.

Trotz der der Kassenüberschüsse hat der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) heute vor Kürzungen bei den Einnahmen gewarnt. Wer die Einnahmen jetzt kürze, "organisiert das Defizit von morgen", sagte Verbandsvize Johann-Magnus von Stackelberg. Stattdessen müssten "Rücklagen für schlechte Zeiten aufgebaut und gesichert werden".

Nach GKV-Angaben verfügten die gesetzlichen Kassen Ende 2011 insgesamt über Rücklagen in Höhe von 9,9 Millionen Euro. Dies entspricht laut Stackelberg lediglich fünf Prozent der Jahresausgaben. Er habe deshalb "großes Verständis für die Krankenkassen, die jetzt auf langfristige Stabilität setzen, statt kurzfristig Prämien auszuschütten", so der GKV-Vize.

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hatte gefordert, dass die Kassen ihren Mitgliedern die Überschüsse in Form von Prämien ausschütten sollen. Forderungen nach einer Senkung des allgemeinen Beitragssatzes zur Krankenversicherung lehnte Bahr hingegen ab.

Die Verwaltungskosten der gesetzlichen Kassen sind laut GKV-Spitzenverband zwischen 2010 und 2011 netto um 115 Millionen Euro auf rund 9,37 Milliarden Euro gesunken. "Wir haben die gesetzliche Vorgabe einer Nullrunde nicht nur eingehalten sondern sogar unterboten," erklärte Verbandssprecher Florian Lanz am Montag. Allerdings gibt es noch immer eine Vielzahl von Krankenkassenmehr, als Experten für sinnvoll halten. Bei all diesen Kassen laufen Kosten auf, die nicht für die Behandlung von Patienten verwendet werden können.

Zudem sind zuletzt die Ausgaben für Krankenhausbehandlungen weiter gestiegen, und zwar von rund 58,8 Milliarden Euro im Jahr 2010 auf etwa 60,1 Milliarden Euro im Jahr 2011. Die offiziellen Zahlen will das Bundesgesundheitsministerium in den nächsten Tagen vorlegen.

kst/afp/apd

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