Montag, 16. September 2019

Deutsches Gasnetz Für Energiewende schlecht gerüstet

Gas braucht Leitung: Arbeiten an der Ostseepipeline bei Lumbin
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Gas braucht Leitung: Arbeiten an der Ostseepipeline bei Lumbin

Das deutsche Gasnetz muss offenbar erheblich ausgebaut werden. Nach Ansicht von Experten sind Milliardeninvestitionen erforderlich, damit die Pipelines der wachsenden Nachfrage gerecht werden. Während der jüngsten Kältewelle waren mehrere Gasmeiler mangels Nachschub vom Netz gegangen.

Hamburg - Nicht nur das deutsche Strom- sondern auch das Gasnetz ist für die Energiewende offenbar schlecht gerüstet. Um genügend Brennstoff zu Kraftwerken und Verbrauchern transportieren zu können, müssen die Netzbetreiber die Leitungen umfassend ausbauen, sagte der Chef der Deutschen Energieagentur, Stephan Kohler, gegenüber manager magazin Online. "Es sind zusätzliche Pipelines in Nord-Süd und Ost-West-Richtung erforderlich", sagte Kohler.

Während der jüngsten Kältewelle waren mehrere Gaskraftwerke tagelang vom Nachschub abgeschnitten. Kohlers Worten zufolge konnte nicht genügend Gas aus den Speichern in Norddeutschland nach Süden geleitet werden. Dies war erforderlich, weil Russland seine Lieferungen reduziert hatte und der Verbrauch gleichzeitig Rekordwerte erreichte. Kohler: "Bei minus 10 Grad ist das Gasnetz offensichtlich überfordert."

Für den Ausbau sind Milliardeninvestitionen nötig. Die zwölf deutschen Gasnetzbetreiber beraten derzeit über ein Szenario des Wirtschaftsforschungsunternehmens Prognos, nach dem bis 2022 Leitungen mit einer Länge von bis zu 1840 Kilometern nötig sind. Die veranschlagten Kosten betragen 4,6 Milliarden Euro. Für die Zukunft ruhen große Hoffnungen auf dem Energieträger Gas. Im Rahmen der Energiewende sollen zahlreiche neue Gaskraftwerke entstehen - vor allem im Süden der Republik.

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