Mittwoch, 23. Oktober 2019

Beschäftigungsrekord Jobschub trotz Konjunkturdelle

Arbeitsagentur in Frankfurt an der Oder: Stellenzuwachs im Osten deutlich schwächer als im Westen Deutschlands

Wieder gute Nachrichten für Jobsucher: Zum Jahresende 2011 stieg die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland auf den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung. Und die Aufwärtstrend hält an: Aktuell suchen deutsche Unternehmen deutlich mehr neue Mitarbeiter als noch vor einem Jahr.

Wiesbaden - Trotz leicht schrumpfender Wirtschaft ist die Zahl der Beschäftigten in Deutschland zum Jahresende 2011 auf einen Rekordwert gestiegen. Im vierten Quartal gab es hierzulande rund 41,6 Millionen Erwerbstätige - 560.000 Personen oder 1,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

"Dies ist der höchste Stand seit der Wiedervereinigung", teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. Die Unternehmen stellten also weiter ein, obwohl die Geschäfte schlechter liefen als in den Vormonaten: Das Bruttoinlandsprodukt fiel von Oktober bis Dezember um 0,2 Prozent zum Vorquartal, und damit zum ersten Mal seit knapp drei Jahren.

Offenbar haben sich die Unternehmer in ihrer Lageeinschätzung dennoch nicht getäuscht. Mittlerweile hat die deutsche Wirtschaft diese Wachstumsdelle offenbar wieder überwunden. Wichtige Konjunkturindikatoren wie das Ifo-Geschäftsklima oder der ZEW- sowie der GfK-Index zeigen ebenso in die Höhe, wie die Industrieaufträge zulegen und die Produktion hierzulande wieder anzieht. Das Wachstum bleibt dennoch auf niedrigem Niveau.

Deutlich mehr offene Stellen

Ebenfalls positiv für die Zukunftsaussichten: Parallel mit der Beschäftigung stieg nach Angaben der Deutschland-Statistiker auch die Zahl der offenen Stellen auf 1,13 Millionen in der Bundesrepublik, nach rund 920.000 im dritten Quartal. Auf eine offene Stelle kamen somit Ende des Jahres rechnerisch 3,2 Arbeitslose. "Dieses Verhältnis stellt den besten Wert seit der Wiedervereinigung dar", sagte IAB-Forscher Alexander Kubis.

Für fast zwei Drittel des Beschäftigungsanstiegs sorgten die Dienstleister. Hier wiederum schafften die Unternehmensdienstleister - dazu zählen etwa Freiberufler, Berater und Zeitarbeitsfirmen - mit 204.000 oder 3,9 Prozent das größte Stellenplus; Zeitarbeitsfirmen haben heute noch einmal Rückenwind bekommen. Die Lufthansa etwa darf in ihren Jets auch Mitarbeiter von Leiharbeitsfirmen als Stewardessen einsetzen.

Auch die Bereiche Handel, Verkehr und Gastgewerbe zeigten sich mit einem Zuwachs von zusammen 146.000 Stellen als Jobmotoren. Bei den Finanz- und Versicherungsdienstleistern fielen dagegen 2000 Jobs weg. Im boomenden Baugewerbe entstanden 42.000 neue Arbeitsplätze, in der exportabhängigen Industrie waren es 162.000. In der Land- und Forstwirtschaft sowie der Fischerei nahm die Zahl der Erwerbstätigen dagegen um 2000 ab.

"Befürchtungen scheinen sich nicht zu bewahrheiten"

Die Entwicklung der offenen Stellen gilt generell als Vorbote der Dynamik auf dem Arbeitsmarkt. Ein nachlassendes Stellenangebot kann darauf hindeuten, dass sich mit einer zeitlichen Verzögerung auch der Abbau der Arbeitslosigkeit verlangsamt. "Doch Befürchtungen hinsichtlich der zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung scheinen sich am Arbeitsmarkt bislang nicht zu bewahrheiten", sagte IAB-Forscher Kubis. Der Jobmarkt in Deutschland zeigt sich somit trotz Schuldenkrise vergleichsweise robust. Anfang des Jahres registrierten die Behörden 3,082 Millionen erwerbslose Menschen - es war die geringste Januar-Arbeitslosigkeit seit 21 Jahren.

Das IAB erfasst viermal jährlich das gesamte Stellenangebot, also auch Posten, die nicht den Arbeitsagenturen gemeldet werden. Im vierten Quartal 2011 befragte das IAB 15.000 Arbeitgeber aller Wirtschaftsbereiche.

kst/dapd/rtr/apd

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung