Mittwoch, 29. Januar 2020

Rente Kinderlose, zur Kasse bitte

Zusatzabgabe: Kinderlose zahlen voll, Familien mit einem Kind die Hälfte und Familien ab zwei Kindern gar nichts - so sieht es ein Vorschlag der Jungen Gruppe der CDU vor

3. Teil: Hauruck-Modelle statt Auflösung systemischer Widersprüche

Schmitt hält von Patentrezepten wie der Kinderlosenabgabe wenig. "Was da diskutiert wird, sind Hauruck-Modelle", sagt er. Sie dienten lediglich dem Ziel, kurzfristig Geld in die Kasse zu spülen.

Das Kernproblem, die Widersprüche im System, würde so nicht gelöst. Aus Sicht des DIW-Demografen sei es indes geboten, genau jene Widersprüche in der Familienpolitik aus dem Weg zu räumen. So gebe es in Deutschland einerseits Anreize für Frauen, in die eigene Bildung zu investieren. Später würden hingegen Anreize gesetzt, Kinder großzuziehen. "Diese Frauen sind dann keine Beitragszahlerinnen mehr", sagt Schmitt.

Vor diesem Hintergrund plädiert er dafür, beispielsweise das Elterngeld auszuweiten. "Allerdings nicht unbedingt zeitlich, sondern in der Höhe", sagt er. So würden beide Eltern schneller und besser in den Arbeitsmarkt zurückkehren können. Weshalb der DIW-Ökonom auch den forcierten Ausbau der Kindergartenbetreuung für ratsam hält.

Ausbau der Betreuung gefordert

Ähnlich sieht es auch Steffen Kröhnert vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung. "Der Gedanke, dass Kinderlose materiell privilegiert sind, ist zwar nachvollziehbar", sagt der Soziologie. So bedeuteten Kinder für berufstätige Paare in der Regel eine Reduzierung der Erwerbstätigkeit. "Das sind letztlich Wohlfahrtsverluste", sagt Kröhnert. Doch müsse bei den jetzt diskutierten Maßnahmen auch die Frage gestellt werden, was das Ziel sei. "Mehr Geld? Ja", sagt er. "Mehr Geburten? Eher nein." Dass Menschen Kinder bekämen, weil sie sonst mit Abgaben belastet würden, daran glaubt der Soziologe nicht.

"Es geht eher darum, jene zu belohnen, die Kinder haben", sagt Kröhnert. Vor diesem Hintergrund empfiehlt er, das bisherige familienpolitische Fördersystem zu überdenken. Als Beispiel nennt er die steuerliche Begünstigung der Ehe, also das Ehegattensplitting, das er im Prinzip für sinnvoll hält. "Bislang wird allerdings jede Ehe begünstigt, auch die ohne Kinder."

Was ethisch begründbar sein möge, sei für Demografie und Ökonomie nicht förderlich. "Das Ehegattensplitting sorgt ja eher dafür, dass Frauen sich aus dem Berufsleben zurückziehen", sagt Kröhnert.

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung