Mittwoch, 23. Oktober 2019

ZEW-Index Konjunkturmaschine Deutschland dreht auf

Stahlwerk der Salzgitter AG: Beschäftigte halten ihre Arbeitsplätze für sicher - und konsumieren

Mit der deutschen Konjunktur geht es offenbar bald wieder steil aufwärts. Der Konjunkturtest des ZEW-Forschungsinstituts ist plötzlich sprunghaft in den positiven Bereich vorgestoßen. Zudem erklomm er den höchsten Stand seit knapp einem Jahr. All das eine Folge der vielen Einstellungen hierzulande.

Berlin - Die Börsenexperten blicken so optimistisch auf die deutsche Wirtschaft wie seit dem Frühjahr 2011 nicht mehr. Die vom Mannheimer ZEW-Institut ermittelte Konjunkturerwartungen der Finanzprofis stiegen im Februar auf plus 5,4 von minus 21,6 Zählern. Dies ist der höchste Wert seit April 2011. Die Sorgen vor einer Rezession in Deutschland nehmen damit ab.

Deutschlands Aktienleitindex Dax Börsen-Chart zeigen und der Euro-Kurs Euro Börsen-Chart zeigen legten nach Veröffentlichung der Daten zu. Während das bedeutendste deutsche Aktienbarometer einen Sprung um 0,5 Prozent auf zuletzt 67777 Indexpunkte auf das Parkett legte, schaffte der Euro den Sprung über die Marke von 1,32 Dollar pro Euro.

"Aus der Sicht der Finanzmarktexperten stehen die Chancen gut, dass sich die deutsche Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte in einem leichten Aufwind befinden wird", sagte ZEW-Chef Wolfgang Franz am Dienstag zur Umfrage seines Instituts. Stützpfeiler werde die Binnennachfrage bleiben, weil die Konsumenten aufgrund der nach wie vor günstigen Arbeitsmarktlage keine Sorgen um ihre Arbeitsplätze haben müssten.

Erst heute wurde bekannt, dass alleine die deutsche Industrie im Dezember vergangenen Jahres hierzulande 180.000 Stellen zusätzlich besetzt hat. Insgesamt entwickelt sich der Arbeitsmarkt in Deutschland dadurch deutlich besser als in vielen anderen europäischen Staaten.

Die Lage beurteilten die vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) befragten Analysten und Investoren günstiger als zuletzt: Das Barometer stieg von 28,4 Zähler auf 40,3 Punkte. "Damit hat er gemessen an früheren Erfahrungen ein eindeutiges Wendesignal für die Konjunktur gegeben", kommentierte Commerzbank-Experte Ralph Solveen die ZEW-Trendwende. Dafür spreche auch der vergleichsweise belastbare Sechs-Monatsvergleich dieses Konjunkturindikators.

Deutsche Wirtschaft mit Rückenwind

Die deutsche Wirtschaft ist im Zuge der Euro-Krise und weltweiten Konjunkturabkühlung zwar insbesondere im Schlussqartal des Vorjahres in eine Schwächephase geraten; die hiesigen Wirtschaft hat nach Angaben der Bundesstatistiker sogar leichtes Schrumpfen um 0,25 Prozent im Quartalsvergleich hinnehmen müssen. Doch erwartet beispielsweise das Bundesfinanzministerium nun, dass der relativ robuste private Konsum und die weiterhin hohen Investitionen der Konzerne hierzulande eine längere Flaute in Deutschland verhindern wird. Die Bundesregierung rechnet in diesem Jahr mit einem Wachstum von 0,7 Prozent, Konjunkturforscher halten mittlerweile aber auch ein deutlich höheres Wachstum von klar über einem Prozent für möglich. 2011 waren es allerdings noch 3 Prozent.

Die Hinweise für eine Erholung haben sich aber zuletzt gehäuft: Das GfK-Konsumklima ist so gut wie seit knapp einem Jahr nicht mehr, das Ifo-Geschäftsklima hellte sich drei Mal in Folge auf. "Seit November zeigen fast alle Frühindikatoren nach oben. Trotz der Beruhigung besteht natürlich weiter die Gefahr, dass die deutsche Wirtschaft durch die Euro-Krise aus der Spur gerät. Daher ist es noch zu früh, um in Euphorie auszubrechen. Es mehren sich jedoch die Hinweise darauf, dass die deutsche Wirtschaft zum Jahresende nur eine Delle hinnehmen musste", kommentierte ING-Experte Carsten Brzeski den neuesten deutschen Konjunkturtest.

Er fällt ausgerechnet mit jenem Tag zusammen, an dem die Ratingagentur Moody's die Finanzaussichten für insgesamt sechs europäische Staaten erneut schlechter als zuletzt eingestuft hat. Darunter befinden sich die Euro-Schwergewichte Italien und Spanien. Deutschland hat seine Bonitätsbestmarke ("AAA") behalten - nicht zuletzt mit dem Hinweis auf die stabilisierte Konjunktur. Damit fällt europas Spaltung in Staaten im Aufwind und solche mit zunehmenden Belastungen noch einmal deutlicher aus. Die Postbank Börsen-Chart zeigen geht immerhin davon aus, dass die hierzulande aufhellende Konjunktur auch ganz Europa zugute kommen wird.

Auch die Finanzszene scheint sich mittlerweile verstärkt auf die verbesserten Konjunkturperspektiven zu konzentrieren. Denn trotz der Herunterstufung durch Moody's haben die Anleger am Rentenmarkt heute Italien weiter Kredit zu vergleichsweise erträglichen Konditionen gegeben. Eine Auktion von Staatsanleihen mit drei- und fünfjährigen Laufzeiten über insgesamt rund sechs Milliarden Euro verlief am Dienstag Vormittag reibungslos. "Das war eine erfolgreiche Auktion, vor allem vor dem Hintergrund der jüngsten Herabstufung", sagte dann auch Helaba-Analyst Ralf Umlauf.

nis/kst/rtr/dpa

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