Donnerstag, 23. Januar 2020

Januar-Werte Arbeitslosenzahl steigt über drei Millionen

Trotz eines witterungsbedingten Anstiegs der Arbeitlosenzahlen ist der Jobmarkt in guter Verfassung.

Die Kälte hemmt das Baugewerbe und lässt die Zahlen der Jobsuchenden witterungsbedingt steigen: Im Januar waren laut Bundesarbeitsagentur mehr als drei Millionen Deutsche ohne Job. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Arbeitslosenquote jedoch gesunken - und die Erwerbstätigkeit steigt weiter.

Nürnberg - Zum Jahresauftakt ist die Arbeitslosigkeit wieder leicht gestiegen. 3,08 Millionen Deutsche waren im Januar ohne Job - 302.000 mehr als im Dezember. Es seien aber ausschließlich jahreszeitliche Gründe, die die Zahl nach oben getrieben hätten, sagte der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA) Frank-Jürgen Weise. Ziehe man diesen saisonalen Effekt ab, seien sogar 34.000 Menschen weniger arbeitslos als im Vormonat, und mit diesem Jobboom werde es weitergehen, sagte Weise. Bisher gebe es keine Hinweise darauf, dass deutsche Unternehmen in größerem Umfang Entlassungen planten.

In den kalten Wintermonaten ruht vielerorts die Arbeit, zum Beispiel auf dem Bau, in der Landwirtschaft und in vielen Gärtnereien. Auch der Handel streicht nach dem Ende des Weihnachtsgeschäfts wieder Stellen. Zum Jahreswechsel enden zudem häufig befristete Arbeitsverträge. Dass der saisonale Anstieg in diesem Jahr geringer ist als in den Vorjahren, hat vor allem zwei Gründe: Das Wetter im Januar war verhältnismäßig mild und die Konjunktur entwickelt sich besser als noch vor ein paar Monaten bisweilen befürchtet worden war.

Die Arbeitsmarktentwicklung im Januar knüpfe an die gute Entwicklung des vergangenen Jahres an, sagte BA-Chef Weise: "Erwerbstätigkeit und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung haben weiter deutlich zugenommen, und die Nachfrage nach Arbeitskräften liegt auf hohem Niveau." Die Zahl der Erwerbstätigen ist um 1,3 Prozent auf 41,4 Millionen gestiegen, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag ebenfalls mitteilte. Damit waren in der Bundesrepublik den siebten Monat in Folge mehr als 41 Millionen Menschen beschäftigt.

Der Arbeitsmarktexperte des Münchener Ifo-Wirtschaftsforschungsinstituts, Steffen Henzel, sieht den Stellenmarkt in guter Verfassung: "Der Ifo-Geschäftsklimaindex zeigt, dass die Unternehmen recht positiv in die Zukunft schauen. Das sollte sich auch auf den Arbeitsmarkt auswirken."

Gute Jobchancen im ganzen Jahr 2012

Auf jeden Fall sind der Arbeitsagentur zufolge die Jobchancen von Arbeitslosen zum Jahresbeginn 2012 so gut wie schon lange nicht mehr. Die Zahl der offenen Stellen sei sehr groß, berichtete die BA am Montag. Der Grund sei die stabile wirtschaftliche Situation in Deutschland. Offene Stellen gibt es demnach vor allem bei den Zeitarbeitsunternehmen - seit Monaten stammt jede dritte Stelle aus dieser Branche. Zusätzliche Kräfte suchten außerdem der Groß- und Einzelhandel, Bauinstallationsbetriebe, die Gastronomie, aber auch Kliniken, Pflegeheime und Pflegedienste sowie Sozialeinrichtungen.

Auf der Strecke scheinen dagegen die Langzeitarbeitslosen zu bleiben. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, waren im Dezember 2011 rund 936.000 Menschen länger als ein Jahr ohne Arbeit - und damit nur drei Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Auffällig sei dabei der Unterschied zwischen den ALG-I-Beziehern und der Gruppe der häufig langzeitarbeitslosen Empfängern von Hartz-IV-Leistungen: In der ersten Gruppe lag der Rückgang bei 16 Prozent, in der Hartz-IV-Gruppe betrug er nur ein Prozent. In Deutschland liegt der Anteil der Langzeitarbeitslosen an allen Erwerbslosen laut "SZ" bei 35 Prozent und damit unter dem EU-Durchschnitt von 42 Prozent.

Die Arbeitslosigkeit im Euroraum blieb allerdings auch zum Jahresende 2011 hoch. Wie die europäische Statistikbehörde Eurostat am Dienstag mitteilte, lag die Arbeitslosenquote im vergangenen Dezember bei 10,4 Prozent - deutlich über dem Vorjahreswert. Mit der höchsten Arbeitslosigkeit haben weiterhin Spanien und Griechenland zu kämpfen - dort liegen die Quoten bei 22,9 und 19,2 Prozent. Vor allem bei der Jugendarbeitslosigkeit liegt Spanien an der Spitze - fast jeder zweite Spanier unter 25 Jahren hat keinen Job. Im gesamten Euroraum liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei 21,3 Prozent - nirgendwo ist sie aber so niedrig wie in Deutschland mit 7,8 Prozent.

wed/dpa

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