Euro-Krise Schäuble rechnet mit langer Durststrecke

Wolfgang Schäuble sieht den Euro-Raum vor langen und mühseligen Reformen. Im Interview mit dem manager magazin zeigt er sich jedoch optimistisch für Europas Zukunft. Der Bundesfinanzminister erwartet eine stärkere, bürgernähere Union beispielsweise mit einem direkt gewählten Präsidenten.
Bundesfinanzminister Schäuble: "Es geht durchaus auch mal steil den Berg rauf"

Bundesfinanzminister Schäuble: "Es geht durchaus auch mal steil den Berg rauf"

Foto: dapd

Hamburg - "Wir sind auf dem richtigen Weg, aber dieser Weg ist lang, und er ist steinig, und es geht durchaus auch mal steil den Berg rauf", sagte Schäuble in einem Interview mit dem manager magazin, das in der neuen Ausgabe (im Handel ab Freitag, 20. Januar) erscheint. Damit Europa diesen Weg meistern könne, müssten sich die EU-Institutionen weiterentwickeln, und die Mitgliedsstaaten müssten auf einen dauerhaften Sparkurs umschwenken.

Mit Blick auf die andauernden Spannungen an den Märkten sagte Schäuble, die Europäer könnten die Probleme der Währungsunion "nicht auf einen Schlag lösen". Er sei aber sicher, dass die Staatsanleihen im Euro-Raum "schon bald das Vertrauen zurückgewinnen, das sie in den vergangenen Monaten verloren haben. Der Euro  wird eine stabile Währung bleiben, was den inneren wie auch den äußeren Wert angeht. Europa wird aus dieser Krise gestärkt hervorgehen."

Schäuble betonte, die EU-Staaten müssten ihre Selbstverpflichtung ernst nehmen und in den kommenden 20 Jahren ihre Schuldenquote auf 60 Prozent der Wirtschaftsleistung senken. Sogar sehr hoch verschuldete Länder wie Italien, das mit 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in der Kreide steht, hätten Chancen, dieses Ziel zu erreichen: "Das Land muss jetzt das tun, was es seit den 90er Jahren immer wieder aufgeschoben hat. Dann ist der Schuldenabbau zu leisten. Es wird nicht leicht, aber es ist zu schaffen."

Den institutionellen Umbau der EU sieht Schäuble offenbar erst ganz am Anfang. Binnen zehn Jahren werde es einen vom Volk direkt gewählten Europäischen Präsidenten geben. Er solle zugleich der EU-Kommission vorstehen. Unter einer solchen Führungsfigur hoffe er, "dass die Kommission in eine neue Rolle als echte europäische Regierung hineinfindet, die unmittelbar den Bürgern gegenüber verantwortlich ist". Als erste Person in diesem Amt wünscht sich Schäuble eine Integrationsfigur wie den vor Kurzem verstorbenen tschechischen Politiker Václav Havel: "Er wäre ein guter Kandidat gewesen."

Kritisch bewertet der CDU-Politiker die Rolle der aktuellen EU-Kommission in der Euro-Krise: "Die Kommission hat klare Aufgaben und Zuständigkeiten. Ob sie in den letzten Monaten eine stärkere Rolle hätte spielen können, ob sie all ihre Vorschläge immer hinreichend klargemacht hat und Missverständnisse vermieden hätten werden können - darüber kann man geteilter Meinung sein."

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