Tarifrunde Verdi will 6 Prozent mehr Geld für Banker

Die Gewerkschaft Verdi ruft ein Ende der Bescheidenheit aus. Sie fordert 6 Prozent mehr Gehalt für die rund 220.000 Mitarbeiter der privaten und öffentlichen Banken. Die Arbeitgeber weisen das zurück und verweisen auf die Schuldenkrise.
Frankfurter Bankenviertel: "Die Branche unterliegt einer Sonderkonjunktur"

Frankfurter Bankenviertel: "Die Branche unterliegt einer Sonderkonjunktur"

Foto: Frank May/ dpa

Frankfurt am Main - "Die Bankbeschäftigten haben lohnmäßig lange zurückgesteckt", begründete Bundesvorstandsmitglied Beate Mensch am Mittwoch die Forderung, die die Tarifkommission am Dienstagabend in Hannover beschlossen hat. "Jetzt ist es an der Zeit, dass auch sie wieder eine deutliche Gehaltserhöhung bekommen, um nicht von anderen Beschäftigten abgekoppelt zu werden."

Die Arbeitgeber wiesen die Forderung als "unrealistisch" zurück. Commerzbank-Personalchef Ulrich Sieber, der die Verhandlungen für den Arbeitgeberverband AGV führt, warnte vor weiteren Stellenstreichungen bei einem zu hohen Abschluss. Die ver.di-Forderung werde der schwierigen Lage der Branche inmitten der Staatsschuldenkrise nicht gerecht. "Die Branche unterliegt einer Sonderkonjunktur, die den Verteilungsspielraum erheblich einschränkt", erklärte Sieber.

Der geltende Tarifvertrag läuft Ende Februar aus, die erste Verhandlungsrunde ist für den 1. März in Berlin angesetzt. Verdi schlägt eine Laufzeit von zwölf Monaten vor. 2010 hatten sich die Banker mit 1,6 Prozent mehr Lohn begnügen müssen - wobei es für die ersten acht Monate nur eine Einmalzahlung von 300 Euro gegeben hatte. Verhandelt wird über die Löhne und Gehälter bei den Großbanken, Privatbanken, den Landesbanken und freien Sparkassen. Dort arbeiten etwa ein Drittel aller Beschäftigten in deutschen Banken. Die Postbank  hat einen Haustarif, die Gehälter in den Kreis- und Stadtsparkassen folgen dem öffentlichen Dienst.

Die deutschen Banken haben in den vergangenen Jahren einen schleichenden Stellenabbau hinter sich. Die Zahl der Stellen sank zuletzt um rund 1 Prozent im Jahr. AGV-Verhandlungsführer Sieber sagte, die Arbeitgeber der Branche kämpften derzeit an vielen Fronten. Der Konjunkturabschwung schlage durch, dazu kämen Wertberichtigungen in der Staatsschuldenkrise und strenge Eigenkapital-Vorschriften. In dieser Lage sei es oberstes Gebot, die Kostenbelastung gering zu halten, um "möglichst viele Arbeitsplätze langfristig zu sichern". Sieber wies auch die Forderung von Verdi zurück, die Belegschaft durch verbindliche Maßnahmen vor gesundheitlichen Folgen eines hohen Verkaufs- und Leistungsdrucks zu schützen.

Die Ausrichtung der Beratung auf Verkaufsziele ist Verdi seit langem ein Dorn im Auge, 2010 hatten sich die Tarifparteien außerhalb der Tarifverhandlungen auf mehr Gesundheitsschutz verständigt. Für tarifliche Festlegungen gebe es keinen Handlungsbedarf, sagte Sieber. Viele Banken - wie auch sein Haus - hätten ihre Vertriebssystems bereits angepasst und die Ziele etwa an der Kundenzufriedenheit ausgerichtet. Der Krankenstand sei bei den Banken so niedrig wie nirgends sonst.

ak/rtr/dapd
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