Privatkredit-Affäre Wulff bedauert sein Verschweigen

Christian Wulff erklärt sich: Nach längerer Nachdenkpause hat der Bundespräsident das Verschweigen eines privaten Kredits bedauert - und eingestanden, Fehler gemacht zu haben. Eine prominente Unterstützerin hat Wulff jedenfalls auf seiner Seite.
Bundespräsident Christian Wulff hinterlegt die Unterlagen zum Privatdarlehen nun zur Einsicht bei einem Rechtsanwalt

Bundespräsident Christian Wulff hinterlegt die Unterlagen zum Privatdarlehen nun zur Einsicht bei einem Rechtsanwalt

Foto: dapd

Berlin - Es tue ihm leid, dass ein falscher Eindruck entstanden sei, erklärte Wulff am Donnerstag schriftlich. Es wäre besser gewesen, den Kredit bekanntzumachen, räumte das Staatsoberhaupt ein. Wulff wies zugleich den Vorwurf eines inhaltlichen Fehlverhaltens zurück.

Weil ihm daran gelegen sei, den Vorgang vollständig klarzulegen, werde er alle entsprechenden Unterlagen zu einem privaten Darlehensvertrag mit der Unternehmer-Gattin Edith Geerkens bei einem Rechtsanwalt zur Einsicht für Medien hinterlegen, teilte der Bundespräsident weiter mit. "Die Wahrnehmung öffentlicher Ämter verlangt zu jedem Zeitpunkt ein hohes Maß an Integrität und Verantwortungsbewusstsein", erklärte Wulff. Dieser Anspruch sei ihm Verpflichtung.

Wulff betonte, dass er keine geschäftlichen Beziehungen zu dem Unternehmer Egon Geerkens unterhalten und deshalb den niedersächsischen Landtag 2010 richtig informiert habe. Er habe keine Veranlassung gesehen, den privaten Darlehensvertrag mit Frau Geerkens zu erwähnen. "Ich erkenne an, dass hier ein falscher Eindruck entstehen konnte. Ich bedauere das." Es wäre besser gewesen, wenn er auf die Anfrage auch den privaten Vertrag erwähnt hätte, betont Wulff nun. "Denn in der Sache hatte und habe ich nichts zu verbergen."

Er verstehe das Interesse der Öffentlichkeit, erklärte Wulff. Er habe am 25. Oktober 2008 einen Privatkredit von Frau Geerkens zu einem Zinssatz von vier Prozent für den Kauf eines Hauses aufgenommen. Hintergrund sei eine lange und persönliche Freundschaft.

Wulff kann auf Merkels Unterstützung zählen

Im Dezember 2009 habe er Gespräche mit einem Privatkundenberater der staatlichen baden-württembergischen BW Bank aufgenommen. Dies sei vor der Anhörung im niedersächsischen Landtag gewesen, betonte Wulff. Am 21. März 2010 sei dann das Darlehen zu einem günstigeren Zinssatz vereinbart worden. Inzwischen sei dieses durch einen langfristigen Bankkredit abgelöst worden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßte Wulffs Stellungnahme. "Diese Erklärung ist wichtig und hat noch einmal zur Klarheit beigetragen." Sie würdige und schätze die Arbeit des Bundespräsidenten.

Thomas Oppermann, der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, sagte, er begrüße die Entschuldigung des Bundespräsidenten. "Es verdient Respekt, dass Christian Wulff seine Fehler eingesteht. Jeder Mensch kann Fehler machen." Dass Wulff nun offensichtlich zur Aufklärung beitragen wolle, sei in seinem ureigenen Interesse.

SPD will Aufklärung über Urlaube

Der Kredit ist aber nicht das einzige Thema, bei dem sich Wulff erklären muss. Die SPD in Niedersachsen vermutet, dass er als Ministerpräsident in den Jahren 2003 bis 2010 mehr Urlaube als bislang bekannt in Villen von befreundeten Unternehmern verbracht haben könnte. Die Landtagsfraktion hat deshalb eine Kleine Anfrage an die niedersächsische Landesregierung eingereicht, in der sie Auskunft über die Urlaubsaufenthalte des ehemaligen Ministerpräsidenten fordert.

"Dass Wulff im Winter 2009 und im Sommer 2010 zweimal private Häuser von Unternehmern genutzt hat, lässt vermuten, dass dies kein Zufall ist, sondern System hat", hieß es in der SPD-Landtagsfraktion. Die Anfrage muss innerhalb von sechs Wochen beantwortet werden. Die SPD unterstützt zudem eine Initiative der Grünen, dass sich der Ältestenrates des Landtages mit der Frage beschäftigen soll, ob Wulff das Parlament im Jahr 2010 richtig informiert habe.

wed/dapd/dpa

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