Düsseldorfer Al-Kaida-Zelle GSG 9 setzt mutmaßlichen Islamisten fest

Beamte der Anti-Terroreinheit GSG 9 haben einen mutmaßlichen Islamisten festgenommen, der hierzulande einen Anschlag geplant haben soll. Bei dem 27-jährigen soll es sich um ein Mitglied der im April gesprengten Düsseldorfer Zelle handeln. Konkrete Anschläge hatte er aber offenbar nicht eingefädelt.
Übung der GSG 9: Beamte der Spezialeinheit haben Terrorverdächtigen in Bochum festgenommen

Übung der GSG 9: Beamte der Spezialeinheit haben Terrorverdächtigen in Bochum festgenommen

Foto: Marius Becker/ dpa

Bochum - Beamte des Bundeskriminalamts und der Spezialeinheit GSG 9 haben am Donnerstag in Bochum einen 27-jährigen Mann mit deutscher Staatsbürgerschaft festgenommen, wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mitteilte. Halil S. wird dringend verdächtigt, die drei mutmaßlichen Terroristen der Düsseldorfer Zelle unterstützt zu haben, die Ende April ebenfalls in Bochum gefasst worden waren. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich lobte die Sicherheitsbehörden.

Halil S. werde dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofes vorgeführt, der ihm den Haftbefehl eröffnen werde. Er soll auch nach der Festnahme der ersten drei Mitglieder der Düsseldorfer Zelle weiter Anschläge geplant haben. Seine Planungen seien aber in einem sehr frühen Stadium gewesen. Sprengstoff und Waffen wurden bei ihm nicht gefunden, wie die Bundesanwaltschaft mitteilte.

Halil S. wird auch Urkundenfälschung und Betrug vorgeworfen. In diesem Zusammenhang nahm die Staatsanwaltschaft Kiel einen weiteren Mann fest. Florian M. soll mit Halil S. und weiteren Beschuldigten beim Internetauktionshaus Ebay Betrügereien begangen haben. Florian M. und die anderen "Tatbeteiligten" haben aber offenbar nichts von den Terrorplänen gewusst. Sicherheitskreise bestätigten der Nachrichtenagentur dapd, dass Florian M. bisher nicht als Islamist aufgefallen ist. Dem Verfassungsschutz sei er nicht bekannt gewesen, sagte ein hochrangiger Beamter.

Hausdurchsuchungen in drei Bundesländern

Innenminister Friedrich sagte: "Ich freue mich, dass das Bundeskriminalamt und unsere Sicherheitsbehörden einmal mehr gezeigt haben, dass sie in der Lage sind, solche Anschläge rechtzeitig zu verhindern". Der Fall zeige jedoch auch, dass Deutschland und Europa weiterhin im Fadenkreuz des islamistischen Terrors stünden. Für die Bevölkerung habe keine konkrete Gefährdung bestanden, sagte der CSU-Politiker in Wiesbaden.

Die Bundesanwaltschaft teilte weiter mit, in ihrem und im Auftrag der Staatsanwaltschaft Kiel seien in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Hamburg insgesamt 16 Wohnungen und zwei Geschäftslokale durchsucht worden. Insgesamt waren etwa 150 Polizisten an dem Einsatz beteiligt, darunter Polizeikräfte aus Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein.

Ende April waren in Bochum drei Männer der Düsseldorfer Zelle festgenommen worden. Halil S. soll nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft "spätestens im April 2011" für die Vorhaben von dem Marokkaner Abdeladim El-K. rekrutiert worden sein. Mit El.-K waren Ende April der Deutsch-Iraner Amid C. und der Deutsch-Marokkaner Jamil S. festgenommen worden.

Halil S. soll vor allem für die "finanzielle und logistische Absicherung" eines geplanten Bombenattentats verantwortlich gewesen sein. "So soll er bis Mitte April 2011 die Namen und Kontaktdaten von 45 Personen für Betrugstaten zur Finanzierung der Al-Kaida-Zelle besorgt haben", hieß es von der Bundesanwaltschaft. Er soll sich falsche Papiere besorgt und unter falschem Namen Wohnungen im Ruhrgebiet angemietet haben.

Halil S. soll sich mit seinen Helfern illegal die Daten von Ebay-Kunden besorgt und in deren Namen etwa Spiegelreflex-Kameras im Wert von 25.000 Euro gegen Vorkasse angeboten haben. So sollen 5200 Euro ergaunert worden sein. Mit den falschen Identitäten sollen sie außerdem Waren für etwa 1400 Euro bestellt haben.

kst/apd
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