Montag, 26. August 2019

Lobby-Arbeit Warum der deutsche Mittelstand hinterher hinkt

Einflüstern: In Deutschland ist der direkte Draht von Mittelständlern zu den Politikern vergleichsweise dünn ausgeprägt

2. Teil: Die Einstellung ändert sich

mm: Ändert sich die Einstellung derzeit - immerhin gewinnt die EU immer mehr an Gestaltungsgewicht?

Koch: Ja, das ist eindeutig so. Ich berate und vertrete zunehmend auch Unternehmen mit nur wenigen hundert Mitarbeitern. Auch steigt die Teilnahmequote von Mittelständlern an meinen Seminaren zum Thema Lobbying. Offenbar rückt die Bedeutung politischer Entscheidungen für das unternehmerische Handeln bei immer mehr Unternehmern ins Bewusstsein.

mm: Welche Branche in Deutschland bedarf der meisten Lobby-Arbeit?

Koch: Letztlich ist Lobbying für alle Branchen wichtig. Aber natürlich gibt es einige, deren Marktumfeld durch umfassende Regulierungen mehr von politischen Entscheidungen betroffen sind als andere. Ein Beispiel ist der Gesundheitsbereich.

mm: Wird Lobbying in Zeiten anstehender Verteilungskämpfe auf europäischer Ebene ("Wer zahlt die Krise") eigentlich wichtiger?

Koch: Ja, da die Regulierungsdichte in allen Bereichen immer weiter zunimmt. Auch die europäische Integration (Stichwort europaweite Ausschreibungen) und die Globalisierung spielen eine Rolle, da sie den Wettbewerb verschärfen und mehr Marktteilnehmer ins Spiel bringen. Neben der Normungsarbeit, die Marktbedingungen mitbestimmt und bei der viele Mittelständler sehr aktiv sind, wird auch Lobbyarbeit wichtiger. Damit lassen sich, richtig gemacht, Wettbewerbsbedingungen verbessern. Dabei haben für kleine Unternehmen Detailfragen oft große Auswirkungen. Die meist mühselige und langfristige Arbeit lohnt sich aber am Ende.

Gleichzeitig führen die Internationalisierung der Wirtschaft und das zunehmende Gewicht Europas dazu, dass viele Firmen auch Brüssel ins Visier nehmen. Auf dieser Ebene sind Prozesse und Akteure jedoch für viele Unternehmenslenker noch fremder und unübersichtlicher als in Deutschland. Deshalb ist hier die Bereitschaft, professionelle Unterstützung von Lobbyisten und Public-Affairs-Agenturen in Anspruch zu nehmen, größer.

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