Neonazi-Mordserie Ex-NPD-Funktionär festgenommen

Bei ihren Ermittlungen zu der Neonazi-Mordserie hat die Bundesanwaltschaft einen weiteren Verdächtigen festnehmen lassen. Der 36-Jährige ist ein ehemaliger NPD-Funktionär und soll die Gruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" unterstützt haben.
Mitglieder der rechtsextremen NPD: Ralf Wohlleben ist dem Verfassungsschutz seit langem bekannt

Mitglieder der rechtsextremen NPD: Ralf Wohlleben ist dem Verfassungsschutz seit langem bekannt

Foto: dapd

Karlsruhe - Spezialeinheiten der Polizei haben am Dienstag in Jena den langjährigen NPD-Funktionär Ralf Wohlleben als weiteren Verdächtigen bei den Ermittlungen gegen das Zwickauer Neonazi-Trio festgenommen. Der 36-Jährige sei dringend verdächtig, die Gruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) unterstützt zu haben, teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit.

Ihm wird Beihilfe zu sechs Morden und einem versuchten Mord vorgeworfen. Wohlleben soll seit 1995 in rechtsextremistischen Kreisen in Thüringen aktiv gewesen sein; seit den 90er Jahren soll er in engem Kontakt mit den drei NSU-Mitgliedern gestanden haben.

Dem Thüringer Verfassungsschutz ist Wohlleben seit langem bekannt. Den Verfassungsschützern zufolge trat er 1999, kurz nach dem Untertauchen des Neonazi-Trios, in die NPD ein. Mit Unterbrechungen war er von 1999 bis Mitte 2008 Vorstandsmitglied der NPD - von Juli 2006 bis Mai 2008 sogar stellvertretender Landesvorsitzender in Thüringen. Bis etwa Anfang 2010 leitete Wohlleben außerdem mit Unterbrechungen den Kreisverband in Jena.

Die Karlsruher Anklagebehörde wirft dem Ex-NPD-Funktionär unter anderem vor, der Neonazi-Gruppe 2001 oder 2002 eine Schusswaffe und Munition besorgt zu haben. Außerdem soll er ihnen den Kontakt zum mutmaßlichen Helfer des Neonazi-Trios Holger G. vermittelt haben. Erst vor einer Woche war Wohllebens Wohnung durchsucht worden. Damals hatte er noch in einer Zeitung behauptet, das Neonazi-Trio Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe nicht unterstützt und seit 1998 keinen Kontakt zu ihnen mehr gehabt zu haben.

Der 36-Jährige soll noch heute dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden, hieß es. Er ist neben der Hauptverdächtigen Zschäpe und dem mutmaßlichen Helfer Holger G. aus dem Raum Hannover und dem in Brandenburg gefassten André E. der vierte mutmaßliche Neonazi, der im Zusammenhang mit einer Mordserie von 2000 bis 2006 festgenommen wurde. Dem Trio werden neun Morde an türkisch- und griechischstämmigen Kleinunternehmern und einer Polizistin vorgeworfen.

mg/dpa
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