Montag, 19. August 2019

Stuttgart-21-Befürworter Stihl "Die Grünen verhindern den Fortschritt"

Wutbürger: Unternehmer für Stuttgart 21
dapd

Wutbürger einmal anders: "Ausgesprochen böse" zeigt sich Unternehmer Hans Peter Stihl im Gespräch mit manager magazin wegen des jahrelangen Streits um Stuttgart 21. Der Tiefbahnhof müsse endlich gebaut werden. Das einstige Musterländle Baden-Württemberg vergraule Investoren.

mm: Herr Stihl, Sie setzen sich seit Beginn der ersten Planungen für das Bahnprojekt Stuttgart 21 ein. Ist das für Sie ein persönlicher Kampf?

Stihl: Ich bin der Überzeugung, dass wir in Stuttgart und Baden-Württemberg auf dieses Projekt dringend angewiesen sind. Meine Schwester ist vor 60 Jahren mit dem Zug nach München gefahren, um eine Dolmetscherschule zu besuchen. Sie hat damals die gleiche Zeit gebraucht, nämlich zwei Stunden und zehn Minuten, wie heute auch. In diesen 60 Jahren hat sich in der Verkehrsanbindung Richtung Süden nichts getan. Das ist ein dringender Bedarf, den wir so schnell wie möglich erfüllen müssen.

mm: Die zähe Auseinandersetzung um dieses Projekt hat den Begriff "Stuttgarter Verhältnisse" hervorgebracht. Sie sind seit Jahrzehnten in Tarifauseinandersetzungen und anderen Konflikten erfahren. Ist das für Sie eine neue Qualität?

Stihl: Ja, mich hat schon gewundert, mit welchem leidenschaftlichen Engagement die Gegner von Stuttgart 21 aufgetreten sind, wie militant sie geworden sind und wie wenig beeinflussbar durch seriöse Informationen. Wir haben eine Vielzahl von positiven Argumenten, die für dieses neue Projekt sprechen, die werden auch vom grünen Teil der Landesregierung schlicht und einfach negiert. Zum Teil durch unwahre Behauptungen wird versucht, den ganzen Fortschritt zu verhindern, sodass ich in der Tat ausgesprochen böse geworden bin, dass wir in Baden-Württemberg und speziell Stuttgart solche Verhältnisse haben.

mm: Eine andere Wortneuschöpfung im Zusammenhang mit Stuttgart 21 sind die "Wutbürger", weil sich den Protesten auch klassische Kreise des Bürgertums, Ingenieure, Bewohner der gutsituierten Halbhöhen hier in Stuttgart, angeschlossen haben. Ist ein Konsens, der für Baden-Württemberg typisch war, aufgebrochen?

Stihl: Den Eindruck kann man schon haben. Aber ich meine, dass wir eine solche Belastung des Verhältnisses zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen aushalten müssen, wenn wir erkennen können, dass die Vorteile derart stark überwiegen und darüber hinaus ein solches Vorhaben rechtlich in trockenen Tüchern ist. Da ist dann auch die Frage erlaubt, wie halten es denn diese so genannten Wutbürger mit der Rechtmäßigkeit von Genehmigungen? Die kann man ja nicht einfach, weil ein paar Leute auf der Straße demonstrieren, zurückholen.

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