Samstag, 30. Mai 2020

Tod der Euro-Zone Wie Konzerne sich wappnen

Management: Wie sich Firmen sich auf die Krise vorbereiten
DPA

Athen lässt die Finanzmärkte erbeben. Selten war die Lage so bedrohlich wie derzeit. BCG-Partner Daniel Stelter beschreibt, wie Firmen sich gegen die drei größten Risiken - Tod der Euro-Zone, Inflation, Stagnation - wappnen.

Hamburg - Wie ein Tsunami rollt die Schuldenwelle der westlichen Industrienationen auf die Wirtschaft zu. Eine noch größere Finanzkrise könnte die Weltkonjunktur abermals und tiefer in den Abgrund reißen als 2009. Selbst im besten Fall, wenn sich die Schuldenländer konsolidieren und Griechenland auch nach dem Referendum in der Euro-Zone verbleibt, würde die Sparpolitik das weltweite Wachstum spürbar dämpfen.

Die Aktienmärkte kündigen mit ihrem tiefen Fall seit Anfang August bereits eine Rezession an. Wenig Wachstum in den USA und Japan, fehlende Dynamik in weiten Teilen Europas - damit dürfte auch das exportfixierte Wachstum Chinas an Kraft verlieren.

Schmiert die Weltwirtschaft also ab? Und endet damit das zweite deutsche Wirtschaftswunder schneller, als es begonnen hat? Oder können sich die heimischen Unternehmen auch aus der nächsten Krise retten?

Daniel Stelter, Seniorpartner der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG), hat exklusiv für manager magazin das wahrscheinlichste Konjunkturszenario für die kommenden Jahre entworfen. Zusätzlich beschreibt er die Risiken für Extrementwicklungen, die Unternehmen zumindest auf dem Radar behalten sollten - das Ende des Euro zum Beispiel oder eine Hyperinflation .

Nach der Prognose des Konjunkturexperten wird sich das globale Wachstum deutlich verlangsamen. Kurze Boomphasen werden sich immer schneller mit Rezessionen abwechseln. Die Zentralbanken werden dagegensteuern und die Wirtschaft mit Geld versorgen. Aus dieser Liquiditätsschwemme plus steigenden Rohstoffpreisen ergibt sich langfristig ein erhöhtes Inflationsrisiko (siehe Kasten "Schutzwall").

"Die Unternehmen müssen sich auf eine ausgedehnte Phase hoher Unsicherheit und Volatilität, geringeren Wachstums und staatlicher Eingriffe einstellen", fasst Stelter zusammen Gelingt den deutschen Firmen die Anpassung, können sie - so wie Heraeus 2010 - auch in Zukunft prosperieren. Schließlich haben sie sich in der vergangenen Dekade eine gute Ausgangsposition für harte Zeiten erarbeitet. manager magazin hat die Vorgehensweisen hiesiger Topunternehmen analysiert und zeigt, welche Lehren sich aus den Beispielen ableiten lassen. Die gute Nachricht: Durch geschickte Steuerung können Manager nicht nur das Überleben ihrer Firmen sichern, sondern auch deren Marktposition nachhaltig verbessern.

Der ideale Masterplan für die neue Realität besteht aus sechs Elementen:

  • solide Bilanzen und intelligente Finanzierung
  • exzellentes Risikomanagement und schnelle Reaktionsfähigkeit
  • weitere Flexibilisierung von Beschäftigung und Produktion
  • echte Globalisierung durch Fertigung vor Ort
  • größere Diversifizierung im Waren- und Kundenspektrum
  • starke Innovationskraft und ein attraktives Produktportfolio

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