Kreativität Findige Firmen prägen Deutschlands Status

Nach Meinung von Forschern hat Deutschland seine Innovationskraft im internationalen Vergleich verbessert. Doch neben der Wissenschaftsförderung hätten nur Deutschlands findige Unternehmen zu dem Erfolg beigetragen. Das staatliche Bildungssystem belaste Deutschland dagegen dramatisch.
Labor von Beiersdorf: Unternehmen hielten Forschung in der Krise auf hohem Niveau aufrecht

Labor von Beiersdorf: Unternehmen hielten Forschung in der Krise auf hohem Niveau aufrecht

Foto: Beiersdorf

Berlin - Es ist nur auf den ersten Blick ein Zeichen für Verbesserung: Nach Meinung von Forschern der Fraunhofer Gesellschaft, des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung und weiteren Instituten hat Deutschland seine Innovationsleistung in den vergangenen fünf Jahren deutlich verbessert; die Studie wurde nicht zuletzt von der Deutsche-Telekom-Stiftung finanziert. In einer Rangliste von 26 Industriestaaten habe sich die Bundesrepublik innerhalb von zwei Jahren von Platz neun auf Rang vier vorgearbeitet, teilten die Deutsche Telekom und der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI).

Doch der Erfolg ruht auf nur zwei Säulen. Zum einen hätten Investitionen der öffentlichen Hand in Wissenschaft und öffentliche Forschung wesentlich zu dieser Positionsverbesserung beigetragen. Zum anderen die deutsche Wirtschaft. Sie habe ihre Forschungsaufwendungen auch in Krisen beibehalten, was die Position des deutschen Innovationssystems im internationalen Vergleich ebenfalls deutlich gestärkt habe.

All das allerdings hat nicht gereicht, um die Sieger in dem Wettbewerb einzuholen. Die Schweiz schneide im weltweiten Vergleich mit deutlichem Abstand am besten ab. Es folgen Singapur, Schweden und die Bundesrepublik, die sich den vierten Rang punktgleich mit Finnland teilt. Die folgenden Niederlande und Norwegen schließen sich mit hauchdünnem Rückstand an. Die USA seien "erheblich" abgefallen, von Rang eins im Jahr 2009 auf aktuell Platz neun.

Dass Deutschland nicht noch weiter vorne in dem Vergleich als auf dem vierten Rang platziert ist, liegt nach Meinung der Forscher an dem immer schlechter werden Zustand der staatlichen Ausbildung in Deutschland. Auf diesem Gebiet sei die Bundesrepublik im Ranking von Rang zwölf im Jahr 2009 auf Platz 17 in der aktuellen Liste zurückgefallen. Mit Ausnahme der beruflichen Bildung schneide Deutschland bei keinem der getesteten Bildungsindikatoren gut ab. "Für eine bedeutende Industrie- und Technologienation wie Deutschland ist das schlechte Abschneiden im Bildungsbereich nicht hinnehmbar", erklärte der Vorsitzende der Deutsche-Telekom-Stiftung, der frühere FDP-Politiker Klaus Kinkel. Ohne gute Bildung könne es keine gute Forschung, keine Innovationen und damit auch kein dauerhaftes Wachstum geben.

Besonders fehlen der Studie zufolge in Deutschland akademische und beruflich qualifizierte Fachkräfte. Selbst bei der ehemaligen deutschen Stärke - dem Anteil der Promovierten in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik - sei die Bundesrepublik zurückgefallen.

Gesamtsieger in dem Länderranking ist in diesem Jahr die Schweiz, wie BDI und Telekom-Stiftung weiter mitteilten. Es folgen Singapur und Schweden. Die USA seien "erheblich" abgefallen, von Rang eins im Jahr 2009 auf aktuell Platz neun.

kst/afp
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