Ansturm der Investoren Deutschland macht weniger Schulden

Der Bund drosselt seine Neuverschuldung. Allein im vierten Quartal fielen rund 16 Milliarden Euro weniger Schulden an, teilte die Finanzagentur mit. Zur Entspannung der Schuldenmanager tragen die gute Haushaltslage sowie die  niedrigen Zinsen für Bundesanleihen bei: Investoren drängen sich darum, dem Bund - inflationsbereinigt - Geld zu schenken.
Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH in Berlin: Die Schuldenmacherin der Nation profitiert derzeit vom äußerst niedrigen Zinsniveau

Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH in Berlin: Die Schuldenmacherin der Nation profitiert derzeit vom äußerst niedrigen Zinsniveau

Foto: DPA

Berlin - Der Bund muss sich wegen der guten Haushaltslage deutlich weniger Geld von Investoren leihen. In diesem Jahr sinkt der Kapitalbedarf auf 275 Milliarden Euro. Das sind 27 Milliarden Euro weniger als Ende 2010 geplant, teilte die mit dem Schuldenmanagement des Bundes beauftragte Finanzagentur am Dienstag mit. Allein im vierten Quartal will sie sich 16 Milliarden Euro weniger am Geld- und Kapitalmarkt holen als vorgesehen.

"Die Situation des Bundeshaushalts ist besser, als bei Aufstellung des Etats zu erwarten war", sagte der Geschäftsführer der Finanzagentur, Carl Heinz Daube. "Dadurch sinkt der Kreditbedarf deutlich."

Die aktuelle Meldung passt zu den Plänen des Bundesfinanzministeriums, die aufzunehmenden neuen Kredite des Bundes im kommenden Jahr 2012 unter die 30-Milliarden-Euro-Marke zu senken.

Der Bund muss sich im Übrigen nicht nur weniger leihen, sondern kommt zu so günstigen Konditionen wie selten zuvor an frisches Geld. Bei der Auktion einer zehnjährigen Bundesanleihe fiel der Zins vorige Woche erstmals unter die Marke von zwei Prozent. Nach Abzug der Inflation ist die aktuelle Rendite von zehnjährigen Bundesanleihen negativ: Investoren verzichten auf Rendite, um ihr Geld im scheinbar sicheren Hafen Bundesanleihen unterbringen zu können.

Der Bund hat 1,1 Billionen Euro Schulden

Auch die Papiere mit sechsmonatiger Laufzeit sind für den deutschen Staat derzeit vergleichsweise günstig zu haben. Erst Anfang September hatte die Finanzagentur durch die Ausgabe neuer Papiere mit sechsmonatiger Laufzeit 3,891 Milliarden Euro eingenommen. Dafür wird aktuell ein durchschnittlicher Zinssatz von 0,18 Prozent fällig. Bei der vorangegangenen Auktion Anfang August waren es noch 0,695 Prozent.

"Wir haben im Moment wegen der sehr geringen Renditen im Markt günstige Bedingungen für die Refinanzierung des Bundes", sagte Daube. "Die Zinsen müssten aber dauerhaft gering bleiben, um daraus zu einer dauerhaften Entlastung bei den Zinsausgaben zu kommen."

Der Bund steht mit mehr als 1,1 Billionen Euro in der Kreide. Die durchschnittliche Restlaufzeit der Bonds liegt zwischen sechs und sieben Jahren.

Mitten in der Schuldenkrise profitiert Deutschland von seinem Status als sicherer Hafen für Anleger. "Internationale Investoren sind bereit, für diese hohe Sicherheit auch Abschläge bei den Renditen hinzunehmen", sagte Daube. "Die große Liquidität der Anleihen über alle Laufzeiten ist ein Qualitätsmerkmal, das Investoren suchen."

krk/dpa
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