Sonntag, 15. September 2019

Euro-Rettung Deutschland mischt zu wenig in Europa mit

Wirtschaftspolitiker: Welche Prominenten der Bundesregierung abhanden kamen
dapd

Was für ein Desaster: Die Bundesbürger stehen für einen erheblichen Teil der Hilfen gerade, die Europas besonders verschuldete Staaten stützen sollen. Doch wahrgenommen werden die Deutschen als selbstgerecht. Die empörte Kritik dürfte Folge zu geringer deutscher Mitwirkung in Europa sein.

Hamburg - In der Debatte um die Euro-Rettung gehen Deutschland allmählich die Verbündeten aus. Als Bundesbank-Chef Jens Weidmann Anfang August im Rat der Europäischen Zentralbank gegen den Ankauf von italienischen und spanischen Staatsanleihen stimmte, hatte er dem Vernehmen nach gerade mal zwei Mitstreiter: Die Zentralbankchefs der Niederlande und Luxemburgs. Wie konnte Deutschland nur derart in die Defensive geraten?

Eine Ursache: Es gibt zuwenig Deutsche an der Wirtschaftsfront. In seiner neuesten Ausgabe analysiert das manager magazin, dass Bundesbürger im Topmanagement von internationalen Wirtschaftsorganisationen kaum vertreten sind und sich auch an der globalen ökonomischen Debatte kaum beteiligen.

"Wir verpassen gerade eine Chance, wirtschaftspolitische Überzeugungen Deutschlands in den internationalen Diskurs einzubringen", konstatiert Thomas Mirow, Chef der Europäischen Entwicklungsbank EBRD in London. "Vor allem Deutschlands Rolle in der Euro-Krise wird international sehr kritisch betrachtet", sagt Mirow im manager magazin.

Die anfängliche Wut über die Budgettricksereien der Griechen sei in Brüssel und den meisten anderen Hauptstädten der Euro-Zone vielfach einer Empörung über die Deutschen gewichen, die als überheblich und selbstgerecht empfunden würden.

Deutschland fehlt das wirtschaftspolitische Personal

Deutschland fehlt schlicht das wirtschaftspolitische Personal, das international für unsere Positionen werben könnte. Bereits zweimal binnen weniger Monate musste die Bundesregierung bei der Besetzung eines wichtigen internationalen Postens passen. Nach der Absage von Axel Weber für den Präsidentenjob bei der Europäischen Zentralbank hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) keinen zweiten starken Kandidaten in der Hinterhand.

Und als ein Nachfolger für den zurückgetretenen Dominique Strauss-Kahn an der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF) gesucht wurde, konnten sich die Franzosen das Amt zum zweiten Mal in Folge sichern - auch weil die Bundesregierung keinen eigenen Personalvorschlag präsentierte.

Auf nationaler Ebene sieht es nicht besser aus. Wenn es um Wirtschaftskompetenz geht, ist die Personaldecke der Bundesregierung stets ein Stück zu kurz. Doch führt dieser Personalmangel nicht etwa dazu, dass mit dem verbliebenen Personal nun besonders pfleglich umgegangen würde. Im Gegenteil: Allzu viele Leistungsträger mit ökonomischem Sachverstand hat diese Regierung bereits verschlissen oder weggebissen.

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