Die Wirtschaftsglosse Asphalt-Cowboys

Die CDU will unsere Autobahnen verhökern. Geht's noch? Am Ende des Tages gibt es dann auch Verkehrsnachrichten nur noch im Bezahlkanal.
Keine Rücksicht auf nationales Kulturgut: Die baden-württembergische CDU schlägt den Verkauf einzelner Autobahnstrecken an private Investoren vor

Keine Rücksicht auf nationales Kulturgut: Die baden-württembergische CDU schlägt den Verkauf einzelner Autobahnstrecken an private Investoren vor

Foto: DPA

Das hat man nun von Mitleid und Solidarität. Da finanzieren wir den Griechen ihre ganze Republik, prompt können wir uns unsere Autobahnen nicht mehr leisten. Behauptet zumindest die CDU Baden-Württembergs und will A 1 ff. deshalb verkaufen.

Dabei sind Autobahnen ein nationales Kulturgut wie - sagen wir einmal - Griechischer Wein ("Komm', schenk dir ein!") oder Nana Mouskouri (die Günther Fielmann einst auf die Idee mit der Volksbrille brachte).

Wo denn kann man so schön seine bierbäuchige Lethargie ablegen wie auf unseren Vier-, Sechs- oder Achtspurern, vor allem dann, wenn sie baustellenbedingt auf nur noch einen Fahrstreifen verschlankt sind? Zweifelsohne sind Autobahnen systemrelevant für die deutsche Gemütsverfassung und das deutsche Gesundheitssystem, unter besonderer Berücksichtigung der Blutdruckmesstechnik-Konzerne und Baldriankonglomerate.

Und, wichtiger noch, Autobahnen beleben - vor allem im Sommer - das fade Radio- und Fernsehprogramm. Während der gemeine Sendeplatz von Tatort- und Pilcher-Wiederholungen bevölkert wird, verstehen es die Verkehrsfunker, ihr Sujet stets ein wenig abzuwandeln, als wäre hier ein gut bezahlter Drehbuchschreiber am Werk: Mal liegt eine Eisenstange auf der Fahrbahn, dann ein Holzkeil, heute ein Kühlschrank, morgen eine Schrankwand (Eiche Furnier); gern auch sorgen ein frei laufender Hund, ein panisches Pferd oder ein umgestürzter Tomatensaucenlaster für kurzweilige Handlungsstränge. Findige Improvisateure und notorische Stilmischer könnten sich aus den Autobahn-Hinterlassenschaften eines einzigen Wochenendes glatt eine komplette Wohnung einrichten (ein - leicht hinkendes - Haustier inklusive).

50 Jahre ist es her, da knisterte der erste Verkehrshinweis über den Äther. Damit ist diese Errungenschaft sogar älter als das manager magazin, von Facebook, Wikileaks oder der RAF ganz zu schweigen. Gewarnt wurde damals, man ahnt es als versierter Baustellenumfahrer, vor einem Stau auf der A 3 zwischen Köln und Leverkusen (der sich im Grunde immer noch nicht aufgelöst hat, insofern von zeitgeschichtlicher Konstanz ist).

Es ist großes Kino, wenn um 18 Uhr dieselbe Staulänge angesagt wird wie um 14 Uhr, mit demselben Bedauern in der Moderatorenstimme. Und wenn man dann, so gegen 18:10 Uhr, mit 130 Sachen durch jene fünf Kilometer lange Zähflüssigkeit flitzt. Dann übermannt den Fahrer ein aufgeschäumtes Glücksgefühl, der Feierabend ist gerettet - mit stolzgeschwellter Brust nähert sich der Staubesieger seinen Lieben.

Völlig neue Touristenziele erschließen sich einem. Wer würde sich für eine Gemarkung namens Halstenbek-Krupunder interessieren, wenn die Ortsnamen nicht tagtäglich zur besten Stausendezeit ein Millionenpublikum fänden? Jetzt sind dort sämtliche Fremdenzimmer auf Jahre ausgebucht (es empfiehlt sich die Anreise mit der Bahn).

Gibt es das alles künftig nur noch verschlüsselt im Bezahlkanal?

Keine Frage, die Autobahnen samt Zubehör müssen Volkseigentum bleiben. Dass Privatisierung nichts bringt im deutschen BAB-Kosmos zeigt doch das Beispiel der Raststätten. Die sind jetzt im Besitz einer privaten Urinalmafia, die fürs einmalige Strullen 70 Cent erpresst. Was die Zahl der Wildpinkler dramatisch anschwellen lässt, und die, liebe CDU, sind nun einmal die klassische Wählerklientel der Grünen.

Gehen die Autobahnen weg, braucht man auch keinen Bundesverkehrsminister mehr. Die Bahn macht eh schon länger, was sie will. Auf den Wasserstraßen wird fleißig ausgeflaggt. Nur den Luftverkehr bringen gelegentliche Eruptionen aus dem Rhythmus, so dass ein hoheitliches Eingreifen gerechtfertigt wäre.

Vulkanministerium - darauf würde sich das einstige Schlüsselamt wohl reduzieren. Tja, das hat die Union in ihrem Übereifer halt auch nicht bedacht.

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