Stresstest-Präsentation Kehrtwende bei Stuttgart-21-Gegnern

Die Gegner des Bahnprojekts "Stuttgart 21" nehmen nun doch an der Bewertung des Stresstests zur Leistungsfähigkeit des geplanten unterirdischen Bahnhofs teil. Das Aktionsbündnis hatte das vorab öffentlich gewordene Ergebnis scharf kritisiert und fordert nun einen neuen Stresstest.
Demonstranten protestieren gegen Stuttgart 21: Die Gegner wollen die Schwachstellen des Tests öffentlich deutlich machen

Demonstranten protestieren gegen Stuttgart 21: Die Gegner wollen die Schwachstellen des Tests öffentlich deutlich machen

Foto: KAI PFAFFENBACH/ REUTERS

Stuttgart - "Wir sehen gewaltige Schwachstellen an dem Test und wollen dies auch deutlich machen", begründete Gerhard Pfeifer vom Aktionsbündnis den Meinungswandel der Projektgegner. "Wir fordern einen neuen Test auf Basis mit uns vereinbarter Grundannahmen und einer 'Premiumqualität' des Bahnhofs", sagte Pfeifer. Die öffentliche Bewertung des Tests durch die Schweizer Gutachterfirma SMA findet nun am Freitag statt.

Das Aktionsbündnis hatte seine Teilnahme an der Testpräsentation zunächst abgesagt, nachdem am vergangenen Donnerstag das Testat der SMA öffentlich geworden war. Darin wurde der Bahn bescheinigt, dass sie die von ihr selbst entwickelte Fahrplansimulation mit der zweitbesten Note "wirtschaftlich optimal" bestanden hat. Das Aktionsbündnis fordert allerdings die Bestnote "Premium", weil nur dann der geplante Bahnhof in der Lage sei, Verspätungen abzubauen.

Das Aktionsbündnis beruft sich dabei auf die Schlichtung, an deren Ende Befürworter und Gegner vereinbart hatten, dass der Test auf Grundlage einer "guten Betriebsqualität" erfolgen müsse. Dieses Qualitätsmerkmal existiert laut SMA aber nicht im Regelwerk der SMA. Dort komme nach "Premium" an zweiter Stelle der "wirtschaftlich optimale Leistungsbereich", der Verspätungen nicht abbauen könne, gefolgt von den Kriterien "risikobehaftet" und "mangelhaft".

Haltezeiten von unter zwei Minuten

Die SMA betonte in ihrem Testat dazu ausdrücklich, dass es nicht ihre Aufgabe war, "die in Deutschland geltenden Normen in Zweifel zu ziehen". Dieses Thema gehöre "auf die politische Ebene" und berühre die Frage, welche Vorgaben der Bund als Eigner der Deutschen Bahn vorgibt.

Die Projektgegner kritisieren unter anderem, dass die Bahn in ihrer Computersimulation Haltezeiten rechnerisch auf unter zwei bis drei Minuten gesenkt und mit zahlreichen Doppelbelegungen der Gleise geplant habe, damit der Durchgangsbahnhof die Zielvorgabe von bis zu 49 Züge pro Stunde in Spitzenzeiten erreicht.

Die grün-roten Koalitionspartner der Stuttgarter Landesregierung hatten das SMA-Gutachten am vergangenen Freitag zwar als "seriös" bezeichnet, waren aber uneinig in der Bewertung der Betriebsqualität. Der grüne Ministerpräsident und Projektgegner Winfried Kretschmann forderte "Premiumqualität" ein. Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) sagte, seine Partei halte eine "wirtschaftlich optimale Betriebsqualität" dagegen für angemessen, da Kosten und Nutzen damit in einem guten Verhältnis stünden.

mg/afp
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