Sachverständigenrat Wirtschaftsweise fordern Schuldenschnitt

Erstmals äußern sich alle fünf Mitglieder des Wirtschaftssachverständigenrats gemeinsam zur Euro-Krise. Sie fordern einen 50-prozentigen Schuldenerlass für Griechenland und Übernahme der Verbindlichkeiten durch den Euro-Rettungsfonds EFSF. Damit stellen sie sich gegen Teile der Bundesregierung.
Unter dem EU-Banner: Die Europäische Union soll über den Rettungsfonds EFSF griechische Schulden übernehmen

Unter dem EU-Banner: Die Europäische Union soll über den Rettungsfonds EFSF griechische Schulden übernehmen

Foto: AP

Frankfurt am Main - Die fünf Mitlieder des Sachverständigenrats haben vor einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone gewarnt. Die Hoffnung, dass die Krisenländer Griechenland, Irland und Portugal in absehbarer Zeit die von der Gemeinschaft erhaltenen Finanzhilfen zurückzahlen, könnte sich nicht erfüllen, heißt es in einem gemeinsamen Artikel in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom Mittwoch. Sie fordern daher von der Bundesregierung einen "Plan B". Ansonsten könnte es auch zu einer uneingeschränkten gemeinsamen Haftung in der Eurozone kommen.

Folge einer uneingeschränkten gemeinsamen Haftung im Euro-Raum wären immer größere staatliche Stützungsprogramme durch die Gemeinschaft und eine überproportionale Belastung der finanziell gesunden Länder, vor allem Deutschlands, warnen die Ökonomen. Sie fordern zur Rückgewinnung der finanziellen Stabilität Griechenlands einen Teilschuldenerlass. "Anzustreben ist ein Schuldenschnitt auf die ausstehenden Anleihen um etwa 50 Prozent. Dadurch würde der Schuldenstand von 160 Prozent auf etwa 106 Prozent sinken."

Um die Stabilität des Umschuldungsprozesses zu gewährleisten, sollte der Schuldenschnitt mit einem Tauschangebot kombiniert werden: Banken könnten griechische Anleihen in solche des Euro-Rettungsfonds EFSF tauschen, erläuterten die Wirtschaftsweisen.

Unterzeichnet wurde die Mitteilung von allen fünf Mitglieder des Sachverständigenrats. Diese sind derzeit: Wolfgang Franz, Peter Bofinger, Lars Feld, Christoph Schmidt und Beatrice Weder di Mauro. Es ist das erste Mal, dass sich alle Mitglieder des Sachverständigenrats gemeinsam zur Euro-Krise äußern.

Ihr Vorschlag bringt jedoch Spannung in die Regierungskoalition. FDP-Chef Philipp Rösler wandte sich strikt gegen den Kauf griechischer Staatsanleihen durch den Rettungsschirm EFSF. "Auch wenn eine Feuerwehraktion notwendig sein sollte: Zentrale Positionen müssen gewahrt bleiben, so, wie sie der Deutsche Bundestag festgelegt hat", sagte Rösler der "FAZ". "Der Rettungsfonds EFSF darf nicht zum Gläubiger griechischer Anleihen werden."

ak/dpa-afx