Niedrigerer Strompreis Ifo-Chef Sinn fordert Aus für das EEG

International gilt das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) als Erfolg, doch Deutschlands prominentester Ökonom will es abschaffen: Ifo-Chef Hans-Werner Sinn fordert, die bisherige Art der Ökostromförderung zu kippen. Ausgerechnet das EEG mache den grünen Strom kaputt - in ganz Europa. 
Von Cornelia Knust
Windpark bei Euskirchen: Konflikt zwischen grün orientierten Menschen

Windpark bei Euskirchen: Konflikt zwischen grün orientierten Menschen

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DPA

München - Das "Erneuerbare-Energien-Gesetz" (EEG) abschaffen, so lautet die Empfehlung des Ifo-Chefs Hans-Werner Sinn. Die Politik habe entschieden, den Atomstrom nicht mehr zu wollen. Nun müsse sie die Energiekonzerne alles Weitere allein entscheiden lassen, sagte er auf einem Symposium seines Hauses zur Energiewende.

Der Handel mit Emissionsrechten sorge automatisch für eine Minimierung der Stromkosten und des CO2-Ausstoßes. Mit ihren preisverzerrenden Einspeisetarifen für erneuerbare Energien senke die deutsche Politik unnötig den Preis für die Verschmutzungszertifikate und mindere damit die Anstrengungen im europäischen Ausland, saubere Energie zu erzeugen. "Das EEG macht den grünen Strom in Europa kaputt", sagte der Ökonom.

Sinn äußerte zudem erhebliche Zweifel am Aufschwung der Windkraft - wegen des Flächenverbrauchs und des notwendigen Ausbaus von Netzen und Speichern: "Das wird ein interessanter Konflikt zwischen grün orientierten Menschen in Europa".

Außerdem frage er sich, was aus den Klimazielen werde. Die Instrumente der Bundesregierung seien unlogisch. Die Euphorie für das Elektroauto hält er zwar in Frankreich mit seinen 76 Prozent Energiebezug aus Atomkraft für nachvollziehbar, nicht aber in Deutschland: "Wir haben gar nicht die Basis dafür", wetterte er. "Ich habe es nicht verstanden, es geht über meinen Horizont hinaus".

Sinn sagte weiter, faktisch werde Deutschland in den Ausbau der Kohlekraftwerke gehen, wobei eine Lagerung des dabei erzeugten Kohlendioxids zu gefährlich und von den Volumina nicht zu bewältigen sei. Das Problem sei weniger, den wegfallenden Atomstrom zu ersetzen, als gleichzeitig den Kohlendioxidausstoß und den Stromkostenanstieg zu begrenzen.

Strom aus Windkraft soll beim Preis alle schlagen

Weniger düster sah Martin Faulstich die zukünftige Energieversorgung in Deutschland. Der Professor der Technischen Universität München, der die Bundesregierung in Umweltfragen berät, zeigte auf der Veranstaltung in München ein Szenario, nachdem unsere Industriegesellschaft im Jahr 2050 durchaus allein mit erneuerbaren Energien versorgt werden könnte.

In Europa und Nordafrika und entlang seiner Küsten gebe es mehr als genügend Flächen zur Gewinnung von Wind- und Sonnenenergie. Außerdem nehme der Wirkungsgrad der Windkraftwerke stetig zu. "2050 dürfte Strom aus Windkraft, vorzugsweise aus Offshore-Anlagen, mit Abstand am preiswertesten sein", sagte Faulstich. Das Problem, den überschüssigen Strom zu speichern, könne eine Kooperation mit Norwegen lösen - ein Land mit großen Speicherseen, die man einfach umrüsten könnte. Auch eine Spaltung der erzeugten Energie in Methan und Erdgas sei denkbar.

Faulstich, der in München einen Lehrstuhl für Rohstoff- und Energietechnologie innehat, gab den vom Erfindungsgeist der Menschen überzeugten Techniker, der eine Industriegesellschaft einschließlich Metall- und Chemieindustrie ganz ohne fossile Brennstoffe bei gleichem Lebensstandard schon in 40 Jahren für denkbar hält.

Dass das EEG abgeschafft wird, hält der visionäre Politikberater allerdings für gänzlich unwahrscheinlich. Er plädiert dafür, es weiterzuentwickeln, um erneuerbare Energien gezielter und kostengünstiger zu fördern.

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