Montag, 19. August 2019

Hans-Werner Sinn Der Mann, der Deutschland retten will

Professor für Provokation: Hans-Werner Sinn eckt an, um gehört zu werden

3. Teil: Seehofers vergiftetes Lob

Abgelegt hat Sinn augenscheinlich die anfängliche Distanz zu den Unternehmern, deren Befragung regelmäßig in den Ifo-Konjunkturtest mündet - das in Deutschland jeden Monat heiß erwartete Wachstumsbarometer.

Eng ist die Zusammenarbeit mit der Quandt-Stiftung, mit der er einmal im Jahr einen Wirtschaftsgipfel in München veranstaltet. Die hauseigenen Gremien sind hochkarätig besetzt: An der Spitze des Ifo-Verwaltungsrats hat erst im Juli dieses Jahres der Chemie-Unternehmer Peter-Alexander Wacker den ehemaligen Eon-Chef Wilhelm Simson abgelöst.

Der Wahrheit verpflichtet

In die Politik hat Sinn nie gehen wollen, weil man "da nicht mehr sagen kann, was man denkt". Der Wissenschaftler sei der Wahrheit verpflichtet. Werden denn seine Ratschläge befolgt oder zumindest gehört? Das ist schwer zu sagen. Beobachter meinen, Sinn habe es sich mit den konservativen Parteien verscherzt.

CSU-Chef Horst Seehofer lobte unlängst im Kreis von Familienunternehmern die scharfe Analyse des Professors zum Thema Euro-Krise und fügte hinzu: "Das meine ich nicht ironisch". Sinn habe einen Schuldenschnitt empfohlen, allerdings nicht gesagt, was für ein Cut, wann, wo und wie viel, sagte Seehofer: "Damit war das für mich eine nicht verwertbare Antwort".

Mit derlei vergiftetem Lob dürfte Sinn klarkommen. Feinde hat er sich schon vor 14 Jahren mit seinem Buch "Kaltstart" gemacht, worin er das Missmanagement der Wiedervereinigung anprangerte. Seine Frau Gerlinde, Ex-Kommilitonin, damals Mitautorin, redigiert seine Texte auch heute noch; hat zudem drei Kinder großgezogen, engagierte sich ehrenamtlich für das Wirtschaftswissen von Lehramtskandidaten.

Für Sinn, 63, kommt nach dem Ifo nur noch die Pension, wofür er nicht mehr ganz so bestimmt wie noch vor ein paar Jahren das Datum 2013 nennt. Vielleicht wird es 2016. Dann könnte er in seinem Haus in Gauting etwas basteln oder ein paar alte Filmrollen zusammenkleben. Aber wahrscheinlich wird er wieder schreiben, wie Deutschland zu retten ist.

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