Sonntag, 25. August 2019

Hans-Werner Sinn Der Mann, der Deutschland retten will

Professor für Provokation: Hans-Werner Sinn eckt an, um gehört zu werden

2. Teil: Zweifel werden nicht formuliert

Bei Sätzen wie "Das ist eine triviale Logik" nimmt der Professor gerne Daumen und Zeigefinger zusammen und schleudert sie nach vorne. In der Fragerunde legt er beim Zuhören manchmal die gewölbte Hand auf die Nasenwurzel. Mit Strenge pariert er manchen Einwand, aber immer mit Respekt vor dem Fragenden, ja mit Freude an der Debatte. Dünkel scheint nicht durch. Selbstzweifel allerdings auch nicht: "Über die Dinge, an denen ich zweifle, rede ich nicht", pflegt er zu sagen.

Der selbstbewusste Professor kommt aus einfachen Verhältnissen, vom Lande, aus einem kleinen Dorf bei Bielefeld. Vater Taxifahrer, Mutter Arbeiterin in einer Fahrradfabrik. Einzelkind, kärgliches Leben. Bei Steckrüben-Eintopf, Mettendchen, Hefepickert. Da leuchten Sinns Augen noch heute. Als Kind sei er eher schüchtern gewesen, erzählt er über sich selbst. Heute würden ihn sicherlich viele eitel nennen.

Auf jeden Fall ein anderes Kaliber als Karl-Heinrich Oppenländer. Der war 23 Jahre Chef des Ifo-Instituts gewesen - bevor 1999 Sinn erschien, auf besonderen Wunsch des damaligen bayerischen Wirtschaftsministers Otto Wiesheu. Damals, als der Wissenschaftsrat das renommierte Forschungsinstitut zu einer Service-Einrichtung degradiert und so um einen Teil der öffentlichen Zuschüsse gebracht hatte, war ein Ordinarius vom Kaliber Sinns gefragt.

Netzwerk von 700 Wissenschaftlern

Der stellte dem Ifo Institut, einem 1949 gegründeten Verein, flugs die neue CES-Ifo GmbH zur Seite, verschränkte so die Empiriker des Instituts mit den Theoretikern der Münchner Ludwig-Maximilian-Universität und ihrem "Center for Economic Studies", wo Sinn nach wie vor Professor ist.

So schuf er den Rahmen für ein internationales Netzwerk von heute 700 Wissenschaftlern. Die zaubern die Flut von Working Papers und bestücken die vielen Konferenzen, mit denen man als Wirtschaftsinstitut Furore machen kann.

Gleichzeitig hat Sinn die verschlafene Ifo-Villa in München-Bogenhausen in ein offenes Haus verwandelt: mit freundlicher Halle, schicker Bar, modernem Konferenzraum und französischem Garten. Schon 2006 empfahl die Leibniz-Gemeinschaft, das Ifo-Institut wieder in den Kreis der deutschen Forschungseinrichtungen aufzunehmen und ihm mehr Geld zur Verfügung zu stellen.

Die frühere Kritik am angeblichen Theoriedefizit der Einrichtung erklang nicht wieder. Sinn hielt sein Institut schon vorher für fast das beste in Deutschland und bestimmt das internationalste - auf jeden Fall das am häufigsten zitierte.

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