Aufschwung BA-Chef rechnet mit 2,5 Millionen Arbeitslosen bis 2015

Der Aufschwung beflügelt die Hoffnungen auf weniger Arbeitslose: Die Arbeitsagentur hält es für möglich, dass 2015 nur noch 2,5 Millionen Menschen ohne Job sind. Die Regierung dürfe aber nun nicht sofort die Mittel kürzen, warnt BA-Chef Weise.
BA-Chef Weise: "Eigentlich ist diese Zeit eine ideale Chance"

BA-Chef Weise: "Eigentlich ist diese Zeit eine ideale Chance"

Foto: Christof Stache/ AP

Lauf - Der Boom macht es möglich: Die Bundesagentur für Arbeit hält einen Rückgang der Arbeitslosenzahl auf durchschnittlich 2,5 Millionen bis zum Jahr 2015 für möglich. Das wären gut 400.000 weniger als für dieses Jahr erwartet wird. Diese Annahme der Bundesregierung sei plausibel und realistisch, sagte BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise.

Im Juni waren in Deutschland 2,89 Millionen Menschen ohne Job. Das waren 67.000 weniger als im Mai und 255.000 weniger als vor einem Jahr. Die Denkfabrik der BA, das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, rechnet damit, dass 2011 im Schnitt deutlich weniger als drei Millionen Menschen arbeitslos gemeldet sein werden. Dies war in Deutschland zuletzt 1991 der Fall. Zudem nahm zuletzt die Zahl der Vollzeitstellen eine Spur mehr als die der Teilzeitjobs zu.

Gleichzeitig appellierte Weise an die Regierung, nicht voreilig Mittel zu kürzen. Das Geld sei zur Vermeidung von Arbeitslosigkeit und sozialer Folgekosten gut angelegt. "Geben Sie uns das Geld. Bei uns gibt es Rendite, woanders wird es verbrannt", sagte Weise. Die Lage am Arbeitsmarkt ist nach Worten des BA-Chefs mit derzeit rund 2,9 Millionen Arbeitslosen "viel besser als erwartet, aber sie bleibt unsicher".

Angesichts der weltwirtschaftlichen Risiken und der Exportabhängigkeit Deutschlands sei fraglich, ob die gute Konjunktur über fünf Jahre andauere, wie die Bundesregierung annimmt. Die Politik sollte daher der BA ermöglichen, Rücklagen zu bilden. "Nicht die Zahlen verändern, aber Reserven bilden", sagte Weise.

Weise wünscht sich, dass die gute Entwicklung dazu genutzt wird, auch besonders schwer vermittelbaren Arbeitslosen zu helfen. "Wer in dieser guten Arbeitsmarktlage keinen Job findet, der hat wirklich ein Problem", sagte er. Sie bräuchten intensive Betreuung. Die verbleibenden Arbeitslosen seien gekennzeichnet durch fehlenden Schul- oder Berufsabschluss, oder sie seien Ältere. Dort gebe es aber Handlungsmöglichkeiten. Weise: "Eigentlich ist diese Zeit eine ideale Chance."

cte/rtr
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