Aufschwung Arbeitsagentur will 10.000 Stellen streichen

Wenn man in der falschen Branche tätig ist, kann der Aufschwung auch Nachteile haben: Die Bundesagentur für Arbeit wird in den nächsten Jahren wegen der anhaltend guten Konjunktur und der sinkenden Arbeitslosigkeit massiv Stellen streichen.
Kaum Kundschaft: Im Aufschwung fehlt des auf dem Arbeitsamt an Beschäftigung

Kaum Kundschaft: Im Aufschwung fehlt des auf dem Arbeitsamt an Beschäftigung

Foto: Oliver Killig/ dpa

Nürnberg - Die Bundesagentur für Arbeit (BA) will angesichts der guten Konjunktur und sinkenden Arbeitslosigkeit bis 2015 rund 10.000 Stellen streichen. Voraussetzung sei aber, dass die positive wirtschaftliche Entwicklung anhalte und die Arbeitslosigkeit weiter zurückgehe, sagte ein BA-Sprecher am Sonntag. Der SPIEGEL berichtet sogar von 17.000 Stellenstreichungen. BA-Präsident Frank-Jürgen Weise bestätigte die Zahl von 10.000 Stellen und fügte hinzu: "Allerdings werden das Jobs in der Verwaltung sein, nicht beim Service für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Da wollen wir an der Qualität nicht sparen." Derzeit beschäftigt die Bundesagentur für Arbeit rund 115.000 Mitarbeiter.

Gedacht sei, Stellen von Mitarbeitern nicht wieder zu besetzen, die in Rente gingen. Befristete Arbeitsverträge würden nicht verlängert. Die Frage, ob die niedrigen Arbeitslosenzahlen auch eine Senkung der Beitragssätze möglich machten, verneinte Weise. Der Beitrag sei in den vergangenen fünf Jahren bereits von 6,5 Prozent auf drei Prozent mehr als halbiert worden. "Für eine weitere Senkung sehe ich keinen Raum. Die BA kann ja derzeit nicht mal Rücklagen für schlechtere Zeiten bilden."

Eine Entscheidung über den Abbau von Stellen, die im Rahmen der Wirtschaftskrise 2008 zusätzlich geschaffen wurden, soll der Verwaltungsrat im Rahmen der Haushaltsberatungen im Herbst treffen, sagte BA-Sprecher Paul Ebsen. Ein über 10.000 Stellen hinaus gehender Personalabbau soll im Jahr 2014 unter der Voraussetzung diskutiert werden, dass die Wirtschaft auch in den kommenden drei Jahren weiter so stark wächst wie bisher.

Vom Stellenabbau wäre laut SPIEGEL vor allem Süddeutschland betroffen, wo nahezu Vollbeschäftigung herrsche. Die Stellen sollten ohne betriebsbedingte Kündigungen wegfallen. So sollten etwa Arbeitsplätze von Mitarbeitern, die in den Ruhestand gehen, nicht neu besetzt werden. Außerdem dürften befristete Arbeitsverträge nicht verlängert werden, schreibt der SPIEGEL.

In der "Bild"-Zeitung schloss Weise eine Senkung der Beitragssätze zur Arbeitslosenversicherung aus: "Der Beitrag ist von 2006 bis heute bereits von 6,5 Prozent auf 3 Prozent mehr als halbiert worden. Für eine weitere Senkung sehe ich keinen Raum. Die BA kann ja derzeit nicht mal Rücklagen für schlechtere Zeiten bilden."

cr/dpa/rtr