Donnerstag, 19. September 2019

Elektromobilität Deutschland erlaubt sich das Hinterhertraben

Elektroauto an einer Ladestadion: Förderung der E-Mobilität in Deutschland im internationalen Vergleich noch gering

Die Bundesregierung will die Elektromobilität fördern. Doch im internationalen Vergleich wirken die Maßnahmen hilflos, Deutschland bleibt hinter anderen Staaten zurück. Erst in geraumer Zeit fließen ansehnliche Beträge. Kurioserweise könnte genau das den deutschen Herstellern zugute kommen.

Hamburg - Ist das die andere Welt? Im norwegischen Oslo gehören Elektroautos schon zum Alltag. Auf kostenlosen Parkplätzen mit Ladesäule tanken sie ihre Akkus auf, Pendler sparen dank Nutzung der Busspuren in der eng bebauten Hauptstadt jeden Tag kostbare Zeit, sogar Taxifahrer schwören zunehmend aufs Elektroauto. Ausgerechnet das erdölreiche Norwegen fördert die Elektromobilität als Zukunftstechnologie. Auch Deutschland ist ganz vorn mit dabei - allerdings nur auf dem Papier.

Nach dem Willen der Bundesregierung soll das Mutterland des Autos der Leitmarkt für Elektromobilität werden, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wünscht sich bis zum Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf heimischen Straßen. Das jüngste Förderprogramm zur E-Mobilität der Bundesregierung soll dabei helfen: Zusätzlich zu den bislang 500 Millionen Euro steckt sie bis 2013 eine weitere Milliarde Euro in Forschung und Entwicklung. Außerdem soll die für teure Elektroautos ungünstige Ein-Prozent-Regel bei der Besteuerung von privat genutzten Firmenwagen kompensiert werden, zudem sollen Sonderabschreibungen auf gewerblich genutzte E-Autos möglich sein. Das Problem: Während die Bundesregierung den Leitmarkt noch plant, sind E-Autos in Städten wie Oslo bereits Alltag. "Deutschland ist bislang zu zaghaft", sagt Matthias Bentenrieder, Autoexperte bei der Unternehmensberatung Oliver Wyman.

Immerhin sieht das Maßnahmepaket vor, dass Städte und Gemeinden in Deutschland E-Autos künftig Privilegien einräumen dürfen. Etwa mit kostenlosen Sonderparkplätzen und der Benutzung von Busspuren. "Emissionsfreie Autos sind gut für Städte und Gemeinden", begründet Uwe Zimmermann, Verkehrsexperte beim Deutschen Städte- und Gemeindebund. "Deshalb halten wir solche Regelungen für sinnvoll."

Offen ist allerdings, wann sie denn kommen. Ein erster Gesetzesentwurf auf Bundesebene dürfte frühestens nach der Sommerpause vorliegen. "Bislang sind das vor allem Politikersprüche", schimpft dann auch Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen. Zumal es am Ende jeder Kommune überlassen bleibt, ob und welche Vorrechte sie E-Autos konkret einräumt.

Japan erstattet bis zu 40 Prozent

Experten sehen einen weiteren Nachteil des Regierungsprogramms: Im internationalen Vergleich gibt es keine direkten finanziellen Anreize für E-Auto-Käufer. "Das wäre aber wichtig", sagt Berater Bentenrieder. Viele Auto-Nationen fördern den Kauf von Elektroautos massiv: Frankreich buttert bei jedem Kauf 5000 Euro zu, England bis zu 5800 Euro, die USA bis zu 4300 Euro, China bis zu 6800 Euro, Japan erstattet sogar bis zu 40 Prozent des Kaufpreises.

Auch die Liebe der Norweger zum E-Auto hat handfeste finanzielle Gründe. Der norwegische Staat erlässt beim Kauf die ansonsten fällige Pkw-Luxussteuer samt Mehrwertsteuer, unterm Strich kosten E-Autos auf diese Weise nicht mehr als herkömmliche Pkw.

Hierzulande ist man davon weit entfernt: Mitsubishis i-Miev steht derzeit mit 34.990 Euro in der Preisliste und es ist kein Zuschuss Sicht - viel Geld für einen Kleinwagen mit 67 PS und 150 Kilometer Reichweite. "Wenn man davon ausgeht, dass Elektroautos die Umwelt schonen, ist eine Kaufförderung auch marktkonform", sagt Bentenrieder. Auch die Opposition fordert eine Kaufförderung, Grünen-Fraktionschef Trittin hält 5000 Euro für angemessen.

Die Bundesregierung sieht das anders, Verkehrsminister Peter Ramsauer etwa lehnt Kaufprämien rundweg ab - man wolle in Zeiten knapper Kassen in keinen Subventionswettlauf eintreten. Auch die Nationale Plattform Elektromobilität, ein Beratergremium der Regierung aus Industrie und Wissenschaft, sieht Kaufprämien kritisch. Und schlägt stattdessen andere Vergünstigungen vor, bei der Besteuerung und im innerstädtischen Verkehr.

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