Montag, 18. November 2019

Ehec-Epidemie Sprossen als Erreger identifiziert

Identifizierte Erreger: Sprossen, zum Beispiel von Kohl und Zwiebeln, sind nach Ansicht der Gesundheitsbehörden die Ursache der Ehec-Epidemie
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Identifizierte Erreger: Sprossen, zum Beispiel von Kohl und Zwiebeln, sind nach Ansicht der Gesundheitsbehörden die Ursache der Ehec-Epidemie

Die deutschen Gesundheitsbehörden haben Sprossen als Ehec-Erreger ausgemacht. Die Warnung vor dem Verzehr roher Tomaten, Gurken und Blattsalat wurde zuvor bereits aufgehoben. Nun drohen Schadensersatzklagen aus Spanien.

Berlin - Die Gesundheitsbehörden gehen davon aus, dass Sprossen die Ursache für die Ehec-Epidemie sind. "Es sind die Sprossen", sagte der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Reinhard Burger, in Berlin. Ein Nachweis des Darmkeims auf Sprossen sei aber noch nicht gelungen. Die Behörden begründen ihre Erkenntnis demnach mit Untersuchungen etwa in Restaurants, in denen Ehec-erkrankte Menschen Sprossen gegessen hatten. Die Spuren führten zu einem Sprossen-Erzeuger in Niedersachsen.

Die Gesundheitsbehörden zogen zugleich ihre Warnung zurück, vorsichtshalber keine Tomaten, Gurken oder Blattsalate roh zu essen. Die Empfehlung müsse nicht mehr aufrechterhalten werden, sagte der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), Andreas Hensel.

Ausbruchstamm könnte ein Reservoir im Menschen haben

Auch an anderer Stelle werden die Einschätzungen bezüglich des Ehec-Erregers konkreter. So komme der der grassierende Ehec-Stamm nach Ansicht des Darmkeim-Experten Professor Helge Karch nur beim Menschen vor. Das berichtete er in einer Mitteilung des Universitätsklinikums Münster. "Der sich jetzt ausbreitende Erreger ist bislang nur beim Menschen nachgewiesen worden", heißt es darin. Zum jetzigen Zeitpunkt müsse davon ausgegangen werden, dass der Ausbruchsstamm ein Reservoir im Menschen hat.

Auch aus Sicht des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) in Berlin sprechen die Fakten dafür, dass der Mensch als Quelle für eine mögliche Kontamination von Lebensmitteln und Umwelt infrage kommt. Zu Beginn der Epidemie standen zunächst auch Tiere im Verdacht, die Bakterien zu beherbergen, die dann etwa über Gülle verbreitet werden könnten.

Es droht eine Klage in Millionenhöhe

Das juristische Nachspiel für die Hamburger Gesundheitsbehörde wegen der Ehec-Gurkenwarnung hat indes begonnen. Als Vertreter des spanischen Obst- und Gemüsehändlers Frunet hat die Kanzlei Lindenpartners am Donnerstag beim Verwaltungsgericht der Hansestadt Eilantrag auf Akteneinsicht ein. Diese hatte die Behörde bis zuletzt verweigert, teilte Rechtsanwältin Sabine Pellens mit. Am Ende könnte es um Schadensersatz in Millionenhöhe gehen.

Frunet ist ein großer Ökoproduzent und Händler in der Provinz Málaga. Nachdem die Hamburger Gesundheitsbehörde über Ehec-Funde auf spanischen Gurken informiert hatte, sei das Geschäft eingebrochen.

Nach Angaben der Anwältin soll mit Hilfe der Akten unter anderem der Verdacht bewiesen werden, dass die Gesundheitsbehörde vor der Pressekonferenz die gesetzliche Sorgfaltspflicht vernachlässigt hat und vorgeschriebene Gegenproben nicht entnommen wurden. Auf den Gurken wurden zwar Ehec-Bakterien nachgewiesen. Diese waren aber von einem anderen Typ als der grassierende Erreger, wie Wissenschaftler später feststellten.

Sollten sich die Vermutungen erhärten, droht nach einem entsprechenden Feststellungsantrag eine Klage auf Schadensersatz in Millionenhöhe. Der Frunet-Jahresumsatz beträgt laut Pellens rund 15 Millionen Euro. Die Firma beschäftige etwa 120 Mitarbeiter.

krk/dpa/afp

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