Stuttgart 21 Bahn-Chef Grube will Baustopp verlängern

Eigentlich sollen heute die Bauarbeiten rund um den Stuttgarter Hauptbahnhof wieder aufgenommen werden. Bahn-Chef Rüdiger Grube hat sich nun aber dazu bereit erklärt, den Baustopp für Stuttgart 21 unter bestimmten Voraussetzungen zu verlängern. Die grün-rote Regierung lehnt den Vorschlag ab.
Bahn-Chef Grube: Wenn die Stadt die Mehrkosten übernimmt, will Grube den Baustopp verlängern

Bahn-Chef Grube: Wenn die Stadt die Mehrkosten übernimmt, will Grube den Baustopp verlängern

Foto: dapd

Stuttgart - An diesem Montag werde der Lenkungskreis der Projektbeteiligten nicht zu einer Sitzung zusammenkommen, sagte am Morgen ein Regierungssprecher der grün-roten Koalition. Das Angebot von Bahn-Chef Rüdiger Grube, den Bau- und Vergabestopp bis Mitte Juli zu verlängern, liege vor. Es fehlten aber noch weitere Unterlagen und Kostenrechnungen. Erst danach könne die Landesregierung das Angebot prüfen.

Bahn-Chef Grube hatte angeboten, das Projekt Stuttgart 21 bis zum 15. Juli anzuhalten. "Wenn wir die Vergaben und Bauarbeiten tatsächlich bis Mitte Juli verzögern, werden wir - weil die neue Eisenbahninfrastruktur nur zum Fahrplanwechsel am Ende eines Jahres in Betrieb gehen kann - voraussichtlich ein volles Jahr verlieren", sagte Grube den "Stuttgarter Nachrichten". "Das heißt, Stuttgart 21 würde nicht wie geplant Ende 2019, sondern Ende 2020 in Betrieb gehen." In diesem Fall drohten der Deutschen Bahn Forderungen der Stadt Stuttgart in Höhe von 33 Millionen Euro. Diese Summe "können und dürfen wir nicht übernehmen", sagte Grube. "Hier müsste die Stadt einen Beitrag leisten."

Vor einer Woche hatte Grube nach einem Spitzentreffen der Projektträger von Stuttgart 21 angekündigt, er werde die Bauarbeiten an diesem Montag wieder aufnehmen lassen. Falls der Lenkungskreis zu einer außerordentlichen Sitzung zusammenkomme, um über seinen Vorschlag zu beraten, werde er davon absehen. Erwartet wird nun, dass Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Montag telefonisch mit Grube über das weitere Vorgehen spricht.

Unterdessen haben Stuttgart 21"-Gegner am Montagmorgen die Einfahrt zu einer Baustelle des Bahnprojektes blockiert. Dadurch konnten nach Angaben der Polizei mehrere Baufahrzeuge nicht auf das Gelände gelangen, auf dem das Grundwassermanagement für den Tiefbahnhof entstehen soll. Die Polizei habe daraufhin rund 80 Blockierer weggebracht oder weggetragen. Diese müssten nun mit Anzeigen wegen Nötigung rechnen. Laut Polizei hatten sich rund 120 Demonstranten an der Baustelle versammelt.

Der Sprecher der Initiative Parkschützer, Matthias von Herrmann, warf der Bahn vor, trotz des angeblichen Baustopps seit Wochen weiterzubauen. "Der Baustopp gilt offensichtlich nur für die Bereiche von Stuttgart 21, die so oder so keine Baufirma übernehmen will", erklärte er.

mg/dpa/dapd
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